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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

•würdiger Beweis als alle ähnlichen), während man doch leicht einsehenkann, dass selbige völlig mit den Grundsätzen dieser Wissenschaft über-einstimmt. Die verletzte Stelle des Gehirnes war nicht der Sitz derintellectuellen Fähigkeiten, wohl aber jener der animalenEnergie, welche demnach die einzige war, die darunter litt.“

Dies genügt in der That. Keine Mittheilung über die verletztenOrgane, über die Ausdehnung der Wunde oder Narbe! Bei der grossenRolle, welche die „Duplicität“ der Hirnorgane in der Apologie unhalt-barer Theorieen spielt, hätte doch mindestens angegeben sein müssen,ob die Verletzung am „Hinterhaupt“, welche „einen Theil des Knochen-gehäuses“ und „several spoons full of brain“ wegnahm, eine solcheStelle getroffen, bei der man vermuthen konnte, dass die Organe dereinen Hälfte erhalten blieben. Traf der Schuss die Mitte des Hinter-hauptes in massiger Ausdehnung, so hätte er ja leicht das Organder „Kinderliebe“ ganz zerstören können. Wie verhielt es sich damit?Wie verhielt es sich mit „Einheitstrieb und Wohnsinn?“ Wie mitder „Anhänglichkeit“? Nichts von alle dem! Und doch liegen alldiese Organe am Hinterhaupte und der Fall ihrer theilweisen Zer-störung wäre für einen Mann von wissenschaftlichem Streben — alle-zeit vorausgesetzt, dass ein solcher Phrenologe sein konnte — ganzunbezahlbar gewesen. Die „animale Energie“ hatte gelitten. Diesliesse sich allenfalls auf den „Bekämpfungstrieb“ deuten, der am Hinter-haupt seitlich gelegen ist; aber man muss leider vermuthen, dasswenn der Schuss grade dies angebliche Organ getroffen hätte, Castlekaum würde vermieden haben, uns davon Kenntniss zu geben. DerMann hatte ja „die ihn früher bezeichnende Energie und Festigkeitverloren“!

So ist es denn auch gar nicht zu verwundern, wenn die Phre-nologen noch immer ganz munter das kleine Gehirn als Organ desGeschlechtstriebes betrachten, obwohl Combette 1831 einen Fall vonstarkem Geschlechtstrieb bei gänzlich fehlendem kleinen Gehirn be-obachtete, obwohl Flourens bei einem Hahn, dem er einen grossenTheil des kleinen Gehirns fortgeschnitten hatte, und den er achtMonate lang am Leben erhielt, den Geschlechtstrieb fortbestehen sah!

Die vorderen Lappen des grossen Gehirns haben eine Mengeso bedeutender Organe zu tragen, dass die Zerstörung eines Theilesderselben doch wohl bei bedeutenden Verletzungen dieser Gehirngegendimmer bemerkbar werden müsste, zumal es sich hier um Intelligenz,Talent u. dgl. handelt, dessen Verschwinden leichter festzustellen ist,