Die neueren Naturwissenschaften.
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als die Aenderung einer Charaktereigenschaft. Es ist aber bei dergrossen Zahl von Hirnverletzungen am vorderen Theile des Kopfes,die einer genauen wissenschaftlichen Beobachtung unterlegen haben,noch nie etwas beobachtet worden, was sich ohne den äusserstenZwang in dieser Weise deuten Hesse. Man hilft sich natürlich mitder Dnplicität der Orgafte; aber wie soll es kommen, dass die Re-ducirung eines Organs auf die Hälfte den Charakter nicht merklichändert, während eine massige Anschwellung oder Vertiefung im Schädelgenügen soll, die auffallendsten Gegensätze des ganzen geistigen We-sens zu erklären? Doch schwächen wir die Kritik nicht mit einerAusstellung, gegen welche wenigstens eine Hypothese gefunden wer-den kann! Es giebt ja Fälle, in welchen ganz unzweideutig beidevordere Lappen des grossen Gehirns in bedeutendem Umfange erkranktund zerstört waren, und in welchen doch nicht die mindeste Störungder Intelligenz beobachtet wurde! Longet theilt zwei solche Fällein seiner Anatomie und Physiologie des Nervensystems mit,welche sehr gut beobachtet sind. Es genügt aber in der That aneinem einzigen solchen Falle, um das ganze System der Phrenologieumzuwerfen.
Und nicht nur das System der Phrenologie; denn die Lehre vondem Wohnen der Intelligenz in den vorderen Lappen des grossen Ge-hirns haben manche Anatomen getheilt, welche keineswegs auf einerso beschränkten Basis standen; und doch ist es auch mit der all-gemeineren Localisation nach grösseren Gruppen geistiger Eigenschaf-ten einfach nichts. Man hat Reihen sehr willkührlich gewählterSchädel bedeutender Männer vorgenommen lind bei diesen meistens,nicht immer, eine hohe und weite Stirn gefunden. Man hat abervergessen, dass selbst dann, wenn ein grosses Vordergehirn mit gros-ser Intelligenz in der Regel zusammenfiele, für eine lokalisirte Thä-tigkeit dieser Hirntheile noch nicht das mindeste bewiesen werdenkönnte. Denn während alle bisher beobachteten Thatsachen daraufführen, dass die verschiednen Theile des grossen Gehirns im Wesent-lichen dieselbe Bestimmung haben, kann es doch sehr wohl sein, dass-eine besonders günstige Organisation des Ganzen auch mit einer be-sonderen Form desselben verbunden sei.
Zu den Vorwürfen, gegen welche ein Theil unsrer Phrenologenmit Erbitterung die Waffen kehrt, gehört nun auch die Bemerkung,dass die Phrenologie nothwendig zum Materialismus führe. Diesist ungefähr so richtig, als derartige allgemeine Sätze in der Regel