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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
muskelkräftiges Kind auch seine Muskeln mehr üben wird, als einmuskelschwaches. Leugne das angeborne Gehirn, und du wirst dieangebornen Richtungen der Geistesthätigkeit mit geleugnet haben!“Doch so schlimm meint Büchner es nicht. Er ruft aus: „Die Naturkennt weder Absichten, noch Zwecke, noch irgend welche ihr vonAussen und Oben herab aufgenötliigten geistigen oder materiellenBedingnisse!“ Nun, wenn es weiter nichts ist, wenn die von in-nen heraus kommenden, aus der Natur selbst stammenden Be-dingnisse unsrer Vorstellungsbildung zugegeben werden; wozu dannder Lärm?
Hier werden wir wieder scharf auf den Mittelpunkt unsres gan-zen materialistischen Streites hingeführt. Wozu der ganze Lärm?Nun, vielleicht, um der heuchlerischen Vornehmthuerei unsrer heutigenhohen Wissenschaft entgegenzutreten. Nie war die Kluft zwischendem Denken dieser bevorzugten Gesellschaft und der Massen grösserals jetzt, und nie hatte diese bevorzugte Gesellschaft so vollständigmit der Unvernunft des Bestehenden ihren egoistischen Separatfriedengeschlossen. Nur die Zeiten vor dem Untergang der alten Culturbieten eine ähnliche Erscheinung dar; aber sie hatten nichts vondieser Demokratie des Materialismus, die sich heutzutage, halbbewusst, halb unbewusst, wider jene aristokratische Philosophie em-pört. Es ist leicht vom Standpunkt dieser Philosophie den Materia-lismus theoretisch zu widerlegen, aber schwer, ihn zu beseitigen. Inder praktischen Debatte zerbricht der Materialismus spielend alle jeneesoterischen Feinheiten, indem er die groben exoterischen Vorstellun-gen zerschmettert, mit welchen sie eine so trügerische Verbindungeingegangen haben. „So etwas haben wir ja niemals gemeint!“ ruftdie entsetzte Wissenschaft; allein sie erhält zur Antwort: „Sprichdeutlich und für Jedermann, oder stirb!“ So tlnirmt sich hinter derlogischen Kritik des Materialismus seine geschichtliche Bedeutungempor, und deshalb kann er auch nur in einer geschichtlichen Be-trachtung vollständig gewürdigt werden.
Wir wollen nun auch, wie Büchner, einen Augenblick annehmen,dass es eine Phrenologie gebe, um an diesem Beispiel die ganze Ideeder Localisation der Geistesfunktionen einer Kritik zu unter-werfen, bei welcher wir die entgegenstehenden Tliatsachen der patho-logischen Anatomie vorläufig ausser Betracht lassen. Der Bequem-lichkeit wegen nehmen wir die Lehre so, wie sie von Spurzheim,Combe und andern ausgebildet wurde, und wie sie auch in Deutsch-