"Die neueren Naturwissenschaften.
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welcher den Gegenstand der Erklärung nur zurückschiebt, so kannmir nichts wahrscheinlicher sein, als dass bei dem angenommenenVorgang mein ganzes Gehirn, obwohl in sehr verschiednen Gradender Thätigkeit in Anspruch genommen wurde.
Hier fällt der Phrenologe über mich her und wirft mir gänz-liche Unkenntniss seiner Wissenschaft vor. Auch er nimmt ja eineThätigkeit des ganzen Gehirns oder doch grosser Gruppen von Or-ganen an; nur übernimmt das Wohlwollen in diesem Falle die Lei-tung. Was war der Gegenstand des Mitleids? Ein Kind? — Alsoist die „Kinderliebe“ mit thätig! Wie ist dem Kinde zu helfen?Soll ich ihm den Weg zeigen? — Da spricht der „Ortssinn“ mit!Die „Hoffnung“, die „Gewissenhaftigkeit“ treten auf; das „Schluss-vermögen“ hat seinen Antheil am Vorgang. Aber diese Organe den-ken, fühlen, wollen jedes für sich; jedes hört den Schrei; jedes siehtdas Kind; jedes stellt sich Ursachen und Folgen in der Phantasievor, denn jedes dieser Organe hat seine Phantasie. Der Unter-schied ist nur, dass das Wohlwollen den herrschenden Ton angiebtmit dem Gedanken: „Hier leidet jemand, hier muss geholfen werden!“„Unfehlbar,“ sagt die Gewissenhaftigkeit; „Mitmenschen zu helfen isteine Pflicht, und Pflichten muss man unverbrüchlich halten.“ „Eswird wohl leicht zu trösten sein, das Kleine“, meint die Hoffnung.Da regt sich die Opposition am Hinterkopf. „Nur nicht blamiren“ruft die Beifallsliebe, und die „Vorsicht“ macht darauf aufmerksam,dass ihre Nachbarin, Beifallsliebe, wohl Recht habe, dass die Sacheverdiene erwogen zu werden. Der „Tonsinn“ macht indessen einigeegoistische Gründe für die Abhiilfe geltend und endlich trägt der„Thätigkeitstrieb“ auf Schluss der Debatte und Abstimmung an. Wirhaben ein Parlament kleiner Menschen zusammen, von denen, wie esauch in wirklichen Parlamenten vorkommt, jeder nur eine einzigeIdee besitzt, die er unablässig geltend zu machen sucht.
Statt einer Seele giebt uns die Phrenologie deren gegen vierzig,jede so räthselhaft für sich allein, wie uns sonst das Seelenleben imGanzen erscheint. Statt es in wirkliche Elemente zu zerlegen, zerlegtsie es in persönliche Wesen verschiednen Charakters. Der Mensch,das Thier, die complicirfesten Maschinen, sind uns die geläufigsten;man vergisst, dass dabei etwas zu erklären ist, oder man hat dieSache erst „klar“, wenn man sich überall wieder kleine Menschenvorstellen kann, welche die eigentlichen Träger der ganzen Thätig-keit sind. „Herr Pastor, et sitzt doch en Perd dren!“ riefen die