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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
Empfindung und Bewegung ein Anfang zur Erklärung dercomplicirtesten psychischen Thätigkeiten gegeben ist.Diese Bahn wäre zu verfolgen!
Was hält noch davon ab? Mangel au Erfindsamkeit und Geschickzu den schwierigsten Experimenten? Gewiss nicht. Es ist der Mangelder Anschauung, dass zur Erklärung des Seelenlebens eine Zurück-führung auf Eiuzeivorgänge gehört, welche einen nothwendigenTlieil des Getriebes ausmachen, welche aber von der Handlungs-weise eines vollständigen Organismus ganz und gar ver-schieden sind.
Aber die Reflexbewegung geschieht ohne Bewusstsein; also kannauch durch die zusammengesetzteste Thätigkeit dieser Art das Be-wusstsein nicht erklärt werden!
Wieder ein Einwand des gröbsten Yorurtheils. Moleschottführt als Beweis dafür, dass das Bewusstsein nur im Gehirn sei, diebekannte Beobachtung Jobert de Lamballes an, nach welcher einam obersten Tlieil des Rückenmarks verletztes Mädchen noch einehalbe Stunde lang bei Bewusstsein blieb, obwohl der ganze Körpermit Ausnahme des Kopfes vollständig gelähmt war. „Es kann somitdas ganze Rückenmark in Untliätigkeit versetzt werden, ohne dassdas Bewusstsein leidet.“ Gut; wenn aber aus demselben Fall ge-schlossen wird, dass geköpfte Thiere keine Empfindung und kein Be-wusstsein haben, so übersieht Moleschott, dass der vom Rückenmarkgetrennte Kopf uns sein Bewusstsein in menschlich verständiger Weisekund geben konnte; der Rumpf aber nicht. Was in den vom Hauptgetrennten Rtickenmarkscentren von Empfinden und von Bewusstheitsein mag oder nicht, können wir durchaus nicht wissen. Nur daskönnen wir mit Sicherheit annehmen, dass diese Bewusstheit nichtswird machen können, was nicht in den mechanischen Bedingungender centripetalen und centrifugalen Nervenleitung und der Einrichtungdes Centrums begründet ist.
Man sieht, wir sind hier auf gutem Wege, den Materialismuserst consequent zu machen, und in der Tliat wird dies die nothwen-dige Vorbedingung erfolgreicher Forschung über das Verhältniss vonGehirn und Seele sein, ohne dass damit der Materialismus in meta-physischem Sinne gerechtfertigt wäre. — Wenn das Hirn das ganzemenschliche Seelenleben hervorbringen kann, so wird man wohl aucheinem Rückenmarkscentrum ein einfaches Empfinden Zutrauen dürfen.Was vollends die geköpften Thiere betrifft, so erinnere man sich