Die neueren Naturwissenschaften.
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Der Vorzug der letzteren liegt nicht in der Form, sondern in ihremkünstlichen Räderwerk; soll man deshalb annehmen, dass in diesemder Druck stattfindet? Man kann sogar unsre Sinne als Beispielnehmen. Das vollkommner gebaute Auge bedingt ein besseres Sehen,aber das Sehen selbst findet wohl nicht im Auge statt, sondernim Gehirn. — So ist also die Frage nach dem Sitz der höherenGeistesfunktionen mindestens offen, wenn nicht überhaupt falschgestellt. Dass aber die Hemisphären des grossen Gehirns für dieseFunktionen eine entscheidende Bedeutung haben, ist ohne Weitereseinzuräumen.
Müller glaubte freilich auch, dass Flourens mit seinem Messerfür den Sitz der höheren Geistesfunktionen im grossen Gehirn einendirekten Beweis geliefert habe. Bekannt ist Büchners Ausdruck,Flourens habe seinen Hühnern „die Seele“ stückweise weggeschnitten.Allein, selbst zugegeben, dass die schwer zu definirenden höherenGeistesfunktionen des Huhnes wirklich bei jenen Vivisektionen weg-gefallen seien, so folgt selbst dann das Vorausgesetzte nicht, da dasgrosse Gehirn immer noch bloss ein nothwendiger Faktor für dasZustandekommen dieser Thätigkeiten zu sein brauchte, keineswegsaber der Sitz derselben. Nun ist aber ferner zu beachten, dass imorganischen Körper die Wegnahme eines Organs, wie das grossoGehirn, gar nicht ausgeführt werden kann, ohne dass das Thier er-krankt und namentlich die zunächst liegenden Theile in ihren Funk-tionen sehr erheblich gestört werden. Dies beweist z. B. ein Ver-such Iiertwigs (in Müllers Physiologie mitgetheilt), bei welchem eineTaube, der der obere Theil der Hemisphären genommen war, fünf-zehn Tage lang nicht hören konnte, endlich aber ihr Gehör wiedererhielt und so noch 2 s / 2 Monat lebte. Bei Flourens’ Versuchenging den Thieren ausser dem Gehör regelmässig auch das Gesichtverloren, ein Umstand, welcher dazu beitrug, dass dieser Forscherglaubte, die Tliiere hätten kein Bewusstsein mehr. Longet hat da-gegen durch einen höchst merkwürdigen Versuch bewiesen, dass beisorgfältiger Schonung der Sehhügel und der übrigen Hirn theile, mitAusnahme der Hemisphären, die Sehkraft der Tauben theihveise er-halten bleibt. Nun möge man doch den ersten besten geistreichenSchriftsteller blenden, ihm das Gehör zerstören, die Zunge lähmenund ihm überdies ein gelindes Fieber oder einen permanenten Rauschbeibringen. Er soll das grosse Gehirn behalten, und wir sind über-zeugt, er wird nicht viel Spuren seiner höheren Geistesfunktionen