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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
verratheu. Wie kann man es denn vom verstümmelten Huhne er-warten ?
Damit soll der grosse Werth jener Versuche nicht verkannt sein;nur den ausschweifenden Schlüssen möchten wir entgegentreten. Je-denfalls sind aber bei jenen Experimenten die Schlüsse weit werth-voller, welche sich auf das basiren, was trotz der Verletzungerhalten blieb, als die Schlüsse, welche auf die Störung oder Auf-hebung gewisser Funktionen gebaut w'erden.
Ueberblickt man endlich die denkwürdigsten Fälle der patholo-gischen Anatomie, so unterscheidet man leicht zwei Klassen: solche,in welchen die Verletzung des grossen Gehirns Delirien, Raserei,Blödsinn u. dgl. zur Folge haben, und solche, in welchen dies nichtoder nur ganz vorübergehend, der Fall ist. Das Dasein der letzterenKlasse beweist hinlänglich, dass die Zufälle der ersteren nicht noth-wendig mit der Verletzung des grossen Gehirns verbunden sind. Dazukommt nun, dass man bei den Fällen der zweiten Klasse, einerleiwelcher Theil des grossen Gehirns verletzt ist, regelmässig eineSchwächung wahrnimmt, welche sich gleichmässig über die ver-schiedensten Funktionen erstreckt. Der Kluge wird nicht dümmer;es geht kein Talent, kein Geistesvermögen verloren; wohl aber wer-den die Beschädigten vom Denken und Sprechen leichter ermüdet,ebenfalls aber vom Gehen und andern physischen Thätigkeiten. DieseWirkung der Ermüdung, Schwächung, Verzögerung verschiednerFunktionen ist constant; alle sonstigen, oft sehr merkwürdigen Er-scheinungen, partieller Verlust des Gedächtnisses u. dgl. sind dagegennicht constant; man findet immer Fälle, die sonst ganz ähnlich sindund die fragliche Erscheinung nicht zeigen. Könnte man dadurchauf den Gedanken kommen, dass in der That das grosse Gehirn,und namentlich die Rindensubstanz, wesentlich zur Entwicklungvon Kräften bestimmt sei, welche dazu dienen, das Spiel des Em-pfindungs-Austausches und der Bewegungsimpulse in den reich ge-gliederten Organen der Basis des Gehirns zu unterhalten und zu re-geln, so sind wir doch weit entfernt, jenem edlen Organ in der Thateinen so beschränkten Beruf zuzuschreiben. Es war nur nöthig, auchhier zu zeigen, wie weit wir noch von einem Abschlüsse entferntsind.
Als Beispiel einer einseitigen und willkürlichen Hirnphilosophiekönnen wir noch die Ansichten von Carus und Huschke erwähnen,welche in leichten Modifikationen viel Verbreitung gefunden haben,