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ohne daß einer vom andern wußte, gerechtfertigt erscheinen. — Wenn man die Arbeiten beider zu-letzt erwähnten Männer gesehen, wird man durchaus nicht zweifeln können, daß sie der Grundideenach mit Byrg übereinstimmen, wenn auch Modificationen der verschiedensten Art darin vorkommen.Die Ansicht, daß beiden ein Bericht über die Resultate Byrg's zugekommen, wird durch die Be-hauptung Scheibels: Beide haben schwerlich etwas von Bnrgi's Zirkel gewußt, daHorcher's Schrift erst 1605 erschien, nicht entkrästigt; — denn abgesehen davon, daß ihreWerke erst 1606 und 1607 erschienen und zugleich Galilei in seiner Vertheidigung behauptet be-reits 1598 seinen Proportional.Zirkel für auswärtige Fürsten verfertigt zu haben, ist der im Jahre1607 zwischen Capra und Galilei ausbrechende Streit, in welchem beide ihr Recht der Prioritätder Erfindung in Anspruch nehmen, und der sich durch viele Jahre zieht, nur durch die vorhergege-bene unmaßgebliche Ansicht zu erklären. — Es ist nicht unwahrscheinlich, — wie es doch bisweilengeschieht, — daß beiden Gelehrten zugleich iene Idee gekommen wäre, dem aber scheint der Um-stand zu widersprechen, daß der B am berge r Mathematiker Clavius schon seit 1584 durch:Epitoino Arithnieticae Practicae. Coloniae 1584 bekannt und mit Byrg's Ar-beiten vertraut, auftritt und Galilei ebenfalls die Erfindung streitig zu machen sucht.'") Man kannüber diese Streitigkeiten, die meistens unklar in der Geschichte der Mathematik behandelt werden,nur dann ein richtiges Urtheil gewinnen, wenn man die betreffenden Werke genau studirt; es wirddann Jeder zu der Annahme geführt werden, daß Byrg, der bereits 1603 mit der Eonstruction sei-nes Instrumentes fertig war, mehre Jahre vorher — er arbeitete langsam und Verschiedenes zugleicher Zeit — seinen Bekannten die seinen Arbeiten zn Gnmde liegenden Ideen, oft auch die be-reits erlangten Resultate mittheilte. — Diese Mittheilungen blieben aber nicht im engeren Kreiseder Freunde, sondern wurden cheils durch mündlichen, theils durch brieflichen Verkehr mit weitercnfferut wohnenden Gelehrten Gemeingut vieler. — Mancher gelehrte Mathematiker scheute sichnicht die ihm nütgetheilten Resultate nochmals zu prüfen um, wenn er sie als richtige erkannt, Er-gänzungen hinzuzufügen und sie dann der Oeffentlichkeit als eine selbstständige Arbeit zu übergeben.
Wie aber auch der enge Zusammenhang der Ideen gekommen, immer sind wir anzunehmen be-rechtigt, daß in Deutschland der erste Gedanke dieser Constrnctiouen von Byrg ausgegangen ist. —Eine Reihe von Abhandlungen, die bald darauf erscheinen, sind nur als bedeutendere oder geringereModificationen der Arbeiten Byrg's und Galileis anzusehen. Es erscheint 1610 über den Pro-portionalzirkel Galileis eine Schrift von Pauldader: Newe Geometrische vnd Pcrspecti-vische Inventiones sonderbahrer Instrument. — in Druck gegeben durch JohannFaulhabern 1610. In Quart. ’
3n demselben Jahre erscheint auch eine Schrift über die Instrumente Burgis und Galileisvon «»Igemazror: „George Galgemayers kurtzer (Bericht) vnd gründlicher Vn-tkrricht, wie der Künstliche Proportionalzirkel auszutheilen vnd aufzuzeich-