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Das preussische Eisenbahnnetz : mit besonderer Beziehung auf die östlichen Provinzen / vom Amtsrath Livonius und Oeconomiecommissarius Mertens
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die Weichsel vorhanden so daß er am Ende in Widerspruchmit sich selbst gcräth. Wir nehmen von vorn herein keinen An-stand, uns für die erstere der gestellten Alternativen zu erklären,weil in Gegenden, wo sich bereits ein natürlicher bedeutendererVerkehr befindet, dessen Entwickelung durch verbesserte Verbin-dungen leichter erfolgt, als die Erschaffung eines ganz neuenVerkehrs in Gegenden, wo ein solcher noch nicht vorhanden ist,und sich die ersteren nicht vorzugsweise zur Hervorrufung des-selben eignen.

Wo dies Letztere nicht stattfindet, kann die Vermehrung der,in der Gegend vorhandenen Werrhe, sei es des Grundeigenthums,sei es der Gewerbe, durch den neu zu schaffenden Verkehr nie soumfassend sein, als in fruchtbareren, oder für den großen Verkehrgünstiger gelegenen Richtungen, und der Staatswirth wird deshalbdie kostbaren Eisenbahn-Verbindungen durch diese letzteren führenmüssen, weil hier das National-Vermögen auf doppelte Weise, ge-genüber den Richtungen durch weniger gute Landstriche, gewinnt.Einmal nämlich, indem, wie bemerkt, mehr Werthe von der Ver-bindung Vortheil ziehen und anderntheils, weil diese alsdann häu-figer benutzt wird, mithin schon an und für sich eine sehr renti-rende, und das Nationalvermögen vergrößernde Anlage bildet; selbstwenn sie auch vorläufig noch keine sehr gute Reute abwerfe» sollte,gewährt sie doch wenigstens eine bessere, als jene, weniger be-nutzte Verbindung in der ärmern Gegend, die der geringeren Fre-quenz halber weniger Werth als Kapitalanlage besitzt, oder,wenn beide nur durch Staatshülfe zu Stande kommend gedachtwerden, mindestens einen größerer Zuschuß aus den Staats-Kasscnin Anspruch nimmt. Wenn diese Wahrheit nicht allgemein em-pfunden wird, so liegt es zum Theil darin, daß man über Fragendieser Art bei uns noch nicht klar geworden, und weil es ober-flächlich angesehen gerecht erscheinen mag, auch den Landcstheilen,welche die Vortheile leichter Waffcrverbindungen noch nicht besitzen,ein Surrogat für selbe, die Eisenbahn zu gewähren. DieEisenbahn ist aber nur ein sehr unvollkommenes Surrogat fürWafferverbindungen, weil die Frachten auf derselben auch untergünstigen Umständen noch immer das 3- bis 5fache der Wasser-frachten betragen, und die Wasserstraßen daher stets die schwer insGewicht fallknde» Güter, wie die Produkte unsers Landes, und un-