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Das preussische Eisenbahnnetz : mit besonderer Beziehung auf die östlichen Provinzen / vom Amtsrath Livonius und Oeconomiecommissarius Mertens
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da wurde» große Erwartungen rege und das Volk schaute freudigauf zu seinem großen Könige. Die Bewohner der Provinzenschwiegen, betroffen von der Großartigkeit der Idee und zu patrio-tisch fühlend, als daß sie gegenüber einem solchen, das Wohl desganzen Staats bezweckenden Unternehmen, irgend ein Sonderinter-cfse hätte geltend machen sollen. Jedoch mehr, als es vielleichtnöthig und gut war, wurde die weitere Entwicklung dieses Gedan-kens, wenigstens für den entfernter Stehenden, geheimnißvoll unddunkel betrieben. Mit Spannung lauschte das Land auf jedes hin-ter dem Vorhänge hervorgeflüsterte Wort. Endlich, hervorgerufendurch dieBemerkungen über die zweckmäßigste Richtung der gro-ßen östlichen Eisenbahn", tritt der Gegner dieser Bemerkungen mitseinem Eisenbahn-Netz hervor nnd belehrt uns,daß außer dergroßen östlichen Eisenbahn, von Berlin über Cüstrin , Landsberg an der Netze entlang über Bromberg (nach unserem Dafürhaltenan der unzweckmäßigsten Stelle) nach Dirschau , Königsberg ge-führt, noch eine Eisenbahn von Stargardt über Driesen, Fi-lehne nach Posen angelegt, und daß durch diese Bahnen, sowie durchdie Linien Berlin , Frankfurt , Posen und Berlin , Stettin , Stargardt,das Netz zur Verbindung des Mittelpunkts der Monarchie mit denöstlichen Provinzen und diesen unter sich gebildet werden solle."Wir waren bei der Kunde von einem solchen Project sehr nieder-geschlagen; denn wir sahen die großen Erwartungen des Landesdurch eine solche zwerghaste Auffassung und Ausführung einesRiesengedankens bitter getäuscht. Sind etwa einige Kreise vonBrandenburg , Pommern und Posen, welche die Bahn berührenwürde, die östlichen Provinzen, deren billige Wünsche man dadurchzu befriedigen meinte? Nein! Ein Volk, das sein König, gestütztund gerechtfertigt durch seine Geschichte, frei vor der ganzen Weltein Heldenvolk genannt hat, darf mit einem solchen Stückwerk nichtabgefertigt werden, welches überdies diejenige» Provinzen, an dieder Königl. Gruß gerichtet ist, wenig berührt, lind was hat derStaat als solcher von einer Eisenbahn zwischen Stargardt und Po-sen? Ist nicht der Mittelpunkt der Monarchie mit Stettin und Po-sen durch Eisenbahnen verbunden und sind es daher diese beidenStädte unter sich, wenn auch auf einem kleinen Umwege, nicht auch?Ja, wollte man in einer Eonfusion der Ideen das mercantilischeInteresse als Staatsinteresse annehmen, ist zwischen Posen undStettin jemals der Handel auf der Straße gegangen, auf welcher