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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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Sein Sie nur ruhig, Madamchen," sagte jener BerlinerDroschkier, dem sein Pferd durchging, zu der im Wagen sitzendenDame,der Kerl verstellt sich bloß!"

Die Pfaffen mehren sich.Ich wollte, es gäbe nur einenPfaffen auf der Welt, und dieser baumelte in der Luft an einemStrick," das war der Wahlspruch des Vlämers Jakob Beyt vonBrügge. Wenn dieser Wunsch in Erfüllung ginge, das müßteauf einmal hell werden in Freiburg!

Lausanne! Indsrts st katris und zehn Minuten Auf-enthalt !

Es war Nacht, als der Zug nach Genf abging. Wenn ichnicht irre, so steht auf den Fahrtenplänen der Zürcher Dampf-schiffsahrtsgesellschaft in einer Notiz, der Reisende habe sich stets510 Minuten vor der angesetzten Zeit an der betreffende»Station einzufinden, wenn er mit Sicherheit auf Beförderungrechnen wolle. Die Eisenbahngesellschaften der französischenSchweiz sollten auf ihren Fahrtenplänen beifügen, daß der Rei-sende, welcher eine Viertelstunde zu spät aus der Station sicheinfindet, immer noch zu früh kommt.^ Es scheint, dieParteider Ordnung" ist nicht vertreten in der Verwaltung.

In geisterhafter Blässe schimmern im Mondesglanz die Felsen-stirnen der Savoperberge herüber, ... ich lehne mich zurück undsumme vor mich hin die von unserm Zürcher Dichter HeinrichLeuthold so schön übertragenen seelenvollen Strophen CharlesDidier's:

Es liegt die Nacht mit zagem Schaudern,

O Leman, dir am Busen nun;

Bei deiner Welle süßem PlaudernVerstummt der Wind und sinkt mit ZaudernAuf's blaue Bett, um auszuruh'n.