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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
Entstehung
Seite
6
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Der Himmel, Stern an Stern unzählig,

Ruht dir im Schooße klar und still;

Ein heil'ger Schauer faßt allmäligMein ganzes Wesen, das sich seligIn reinem Wohllaut lösen will.

Ilnd doch, wie tobst du oft in freierBegier, und rührst mit keckem KußAn des Gestades Blumenschleier,

Das, wie die Jungfrau ihren Freier,

Dich schmachtend von dir stoßen muß.

Ost stöhnst du auf in bangen Klagen,

Oft zaubermächtig weht aus dir

Ein Hauch, wie von verscholl'nen Sagen,

Als spräch' aus deinem WogenschlagenEin unsichtbarer Geist zu mir.

Dein süß geheimnißvolles Tosen,

Dein Schmeicheln malt kein irdisch Lied,

Wenn mich, gleich einem fessellosenGesang'nen, dein beseelt LiebkosenVerlockend in die Fluthen zieht.

Urplötzlich ist es dann, als riefenSehnsüchtig mir aus deinem SchooßZahllose Stimmen, die sonst schliefen,

Als blühte mir in deinen TiefenEin Menschen unerreichbar Loos.

S'ist auch heiliger Boden, das Land, über welches die Rä-der Hinsausen, nicht heilig im Sinne jener mit Bäfschen ge-schmückten, in christlicher Liebe züngelnden Mucker, die sich anden schönen Gestaden des Lemans üppig machen als Blattläuseder geistigen Welt; heiliger Boden für alle die, deren Auge dendornigen Weg mißt, den der Menschengeist auf seiner Wallfahrtzum Jungbrunnen der Freiheit zurücklegt. Oder sollten die Orte,wo die beiden großen Antagonisten Voltaire und Rousseau wan-delten, etwa minder geachtet sein, als die Stätte, wo irgend einemonarchische Posse stattfand? Man sollte es meinen. In denSchulbüchern steht nichts von Rousseau, dem kühnenLütoxsn äs