Buch 
Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 

wohnte, ist stille geworden. Ein feinsinniger Beobachter derNatur, von ganz materialistischen Voraussetzungen ausgehend,war Bonnet trotzdem einer der Hauptvertheidiger des christ-lichen Spiritualismus und klagte, daß Voltaire die heiligeSchrift nur lese, um seinen Arsenik darein zu mischen. SeineAuffassung und Behandlung der Naturgeschichte ist weiter ent-wickelt und vergeistigt worden durch Bernardin de St. Pierre undHuniboldt. Bonnet stand in regem Verkehr mit Halter in Bernund Lavater in Zürich. Letzterer, beständig auf der Jagd nachSilhouetten für sein Werk über die Physiognomik, verlangte auchdiejenige Bonnets, den er um seiner Palingenesie willen förmlichanbetete. Er erhielt sie nicht. Bonnet schrieb hierüber an Haüerdie ebenso treffenden als richtigen Zeilen!Ihr Urtheil über denZürcher Helfer hat mich nicht überrascht. Er reitet einen Pega-sus, der zu viel Hafer bekommt. Er hätte Geometrie oder wenig-stens Logik studiren sollen. Jetzt ist er unheilbar, glaube ich.Seine Absichten hielt ich stets für rein, aber er liest in der Bibelwie in der Offenbarung St. Johannes. Wir schreiben uns nichtmehr. Er wollte mein Portrait für sein Buch, ich fand abermeine Physiognomie seiner Arbeit nicht würdig. Ich weiß, wasfür schöne Sachen er aus Ihrer Nase herausgefunden, und glaubenicht, daß er aus der meinigen soviel herausgebracht hätte."

. . . Immer wieder Rousseau; das erste beste Buch, welches ichheute Morgen auf dem Tisch eines Trödler's herausgriff, wardie neue Heloise". Es wird immer noch viel gepriesen und zuwenig gelesen. Dieneue Heloise" und derEmil", sie bleibenimmer zwei Perlen der Litteratur des 18. Jahrhunderts. DieAufregung, welche sie in das damalige Publikum warfen, wareine gewaltige, weit größer, als ein neuesLeben Jesu" vonStrauß, Renan rc. heute hervorruft. Natürlich machte sichwie immer der Bildungspobel ein Geschäft daraus, beim Er-scheinen derselben für Religion, Zucht und Sitte zu heulen, wasdie geniale Bernerin, Julie Bondeli (geb. 1731 in Bern,wahrscheinlich eine Schülerin des unglücklichen Samuel Henzi),zu dem kräftigen Worte veranlaßte:Wenn meine Gegner,