26
einen guten, wenn auch derben Witz liebte, und einst bei einemHofkonzert zu einer dicken Gräfin, die sich auf einen Stuhl gefetzthatte, auf dem Johanna Wagner's Noten lagen, lächelnd sagendurste: „Gräfin, Sie irren, das find keine Noten für Blas-instrumente!" — zum Gaudium aller Soldaten die treffendeTagesparole: Schwein—fürt!
Ein bayerischer Soldat sagte mir, ihr König fei sehr liberalund der Kronprinz von Preußen auch, beide feien sehr strebsameMänner. Ich antwortete ihm mit Mirza-Schaffy:
Wohl gibt es FürstenDie nach Wahrheit dürsten,
Doch wenigen ward ein so gesunder MagenSie zu vertragen!
Und er darauf, das Französisch zusammenfassend, das erwährend des Feldzuges gelernt, sprach: Oui.
Wenn am Sonntag ein Bauer sein Heu heimfuhrt und fürsein Vieh sorgt, wenn ein Schneider ein paar Hosen fertig bringt,dann entsetzt sich die christgläubige Welt über diese Sabbath-schändung. Verwarnungen und Bußen drohen über dem Hauptdes Sünders. Aber kein „frommes" Blatt hat sich unsers Wissensdarüber aufgehalten, daß nicht einmal am Sonntag die Kanonendes Mont Valerien zu donnern aufhören. Die Pariser und dieMitglieder der Kommune vorab sind halt Heiden, und der geist-reiche Vaillant — seines Zeichens ein Ingenieur — der das öffent-liche Erziehungswesen übernommen, hat nicht nur die von „barm-herzig unwissenden" Schwestern geleiteten Schulen sofort schließenlassen, sondern auch angeordnet, Laß die in den Schullokalen be-findlichen Heiligenbilder, Kruzifixe rc., als mit der Gewissensfrei-heit unvereinbar, beförderlichst auszuräumen und speziell die heiligenMetallwaaren nach der Münze zu transportiren seien. Daher das:„Gott segne die Bomben!" . . .
Dumpf dröhnte in der Ferne der Geschützdonner, als wir inden Krater der Revolution einzogen. Es war Sonntag Morgen