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Plaudereien : feuilletonistische Blätter / von Reinhold Rüegg
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dem schwarzbehangcnen Tisch in der Mitte ein Geisterbeschwörerauftreten?

Doch jetzt wird seine Sehnsucht nach Aufklärung gestillt.Die Dame des Hauses, ihr eifriges Gespräch mit einem älternHerrn abbrechend, wird seiner ansichtig, er verneigt sich, und sieschwebt huldvoll zu ihm heran.

Ah, es ist sehr schmeichelhaft für uns, Sie hier zu sehen,nicht wahr, es ist das erste Mal, daß Sie bei solchem Anlaßzugegen sind? Nun, zu bereuen werden Sie Ihren Besuch nichthaben, es soll interessant werden."

Wird ein Vertrag gehalten? Vielleicht von Herrn An-dersen?"

O nein, Herr Andersen war für diesen Abend bereits en-gagirt, der hochwürdige Bischof von Barnum kommt. Undwie befindet sich Ihre Frau Gemahlin?"

Mit diesen Worten verläßt ihn die Dame, um einem andernGast genau dasselbe zu sagen.

Mit ehrfurchtsvollem Schauder läßt sich der Neuling aufden Rohrsessel nieder und denkt darüber nach, wer denn eigent-lich einen Bischof von Barnum ernannt habe. Der Raum hatsich mittlerweile mit einemgewählten" Publikum gefüllt, dasvon der letzten Ausstellung, von Promenaden, von der neuestenMode, Austern, kurz von all den Dingen spricht, welche sonstnur dieKinder der Finsterniß" kennen. Die jungen Herrenschlickern mit den anwesenden Backfischchcn und machen sarkastischeBemerkungen, welche mit einem schmollenden Lächeln hingenom-men werden. Die alten Herren bleiben auch nicht stumm undsie treten auf die Politik, auf die letzten Dividenden, kurz ausHandel und Wandel ein. Die um den schwarzvcrhängten Tischherumsitzenden heiligen Männer messen sich unterdessen mitgeradezu eifersüchtigen Blicken. Obenan hat in der That derBischof Platz genommen. Plötzlich bricht er sein Gespräch mitFrau Plate ab, hustet und räuspcrt sich so kräftig, daß augen-blickliche Stille eintritt. Die reizende Frau Plate legt ihre run-den Arme kreuzweise über die Brust, schlägt die Augen nieder