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II. Geologisches.
Landverlust durch Wellen.
Von der Ostseite ist seit dem Ende des 17. Jahrhunderts ein Strand-dorf Namens Vitte völlig hinweggespült worden.
Die Greifswalder Oie hat nach Messungen aus den Jahren 1728und 1819 in diesem Zeiträume an der Mitte des nördlichen Ufersum 37,6 m abgenommen. Auf Usedom hatte der Streckel-Bergwährend der zehn Jahre 1840 bis 1850 einen Verlust von 10 m,so dass eine hier aufgestellte Bake zum zweiten Male landeinwärtsgerückt werden musste 1 ).
Auch an der mecklenburgischen Küste bethätigt sich die Ge-walt der Wogen in verderblicher Weise. Am meisten leidet hierdie diluviale Partie des Fischlandes. Die Grösse des Landverlusteskann man daraus erkennen, dass, wie der Navigationslehrer Peters1858 berichtete, ein Granitblock im Meere sich damals bereits 150Fuss vom Ufer entfernt befand, während er 1832 demselben sonahe lag, dass die Einwohner Fundamentsteine zu Häusern von ihmabsprengten 2 ). An dem Steilufer der Rostocker Heide ist der Ver-lust gleichfalls nicht unbeträchtlich, denn 1862 berechnete man den-selben für die letzten 60 Jahre auf ca. 84,900 □ Meter 3 ). Ebensoleiden die Vorgebirge Kliitz-Höved und Hohen-Wischendorfer Hukbedeutend, weshalb 1846 die Entfernung der hier im Wasserliegenden Gerolle und Geschiebe von der Regierung verboten wurde.
In Holstein liegen am steilen Brothener Ufer, wie am Ostsee-strande des Fischlandes, zwei grosse Felsblöcke im Wasser, vondenen der eine 7,5 m vom Strande entfernt ist. Gegen Ende desvorigen Jahrhunderts hatte die See diese Blöcke noch nicht erreicht 4 ).
Treten Sturmfluthen ein, so wird der jährliche Landverlustmeistens beträchtlich vergrössert. Der Heideort in der RostockerHeide verlor während der grossen Sturmfluth vom 12./13. November1872 ca. 10 m, und vom Dornbusch auf Hiddens-O stürzte 1711ein Stück Land von ca. 12 m in die Ostsee hinab. Der Landver-lust bei Heringsdorf während der Sturmfluth vom 8. Februar 1874wird auf 10 m veranschlagt; in der stürmischen Nacht vom 5. auf
1 ) P. Lehmann, Pommerns Küste von der Dievenow bis zum Darss. Breslau ,1878, S. 24.
2 ) Peters, das Land Swante-Wustrow oder das Fischland. Wustrow 1862.
3 ) Boll, a. a. O., S. 230.
■*) v. Maack, das urgeschichtliche Schleswig -Holstein6che Land. Ein Beitragzur historischen Geographie (Zeitschrift für allg. Erdkunde. Berlin , 1860, S. 13.)