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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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37
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II. Geologisches.

Baumstubben.

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den 6. November 1864 wurde nach Boll 1 ) von dem Ufer derRostocker Heide ein Landstreifen von 3 km Länge und ca. 4,5 mBreite fortgespült.

Anhang: Wirkung der Atmosphärilien auf Steilküsten.

Die Zerstörung der Steilufer wird jedoch nicht ausschliesslich,wenn auch bei weitem dem grössten Theile nach, durch dieWellen bewirkt; sie wird auch durch atmosphärische Einflüsse ge-fördert, indem das Regenwasser in die weichen Gesteinsmassen ein-sickert, dabei Spalten bildet und so an und für sich schon zer-störend wirkt, in der Winterzeit aber gefriert und hierdurch dieentstandenen Risse vergrössert. So stürzen denn besonders zurFrühlingszeit, wo diese gefrorenen Wassermassen und der auf demPlateau des Steilufers liegende Schee aufthauen und durch fortgesetztesund in Folge der grossen schmelzenden Schneemasse beschleunigtesEinsickern sich die Risse noch mehr vergrössern oft bedeutendeErdmassen in die See hinab, wo sie von den Wellen bald seewärtsgeführt werden.

Bei Jershöft sanken auf diese Weise im Jahre 1800 drei Mor-gen Landes von dem hohen Uferrande hinab; an der ColbergerKüste fand am 23. April 1837 e i n bedeutender Landschlipf statt,indem ein gegen 30 m hoher Uferberg plötzlich in die See stürzte 2 );die Inseln Koos und Riems leiden an ihren nördlichen Ufern gleich-falls auf diese Weise; bei Arkona schätzt man den jährlichen Ver-lust in Folge des Gefrierens der Sickerwasser auf ca. 1,3 cm (jähr-licher Verlust durch Abbruch der Wellen daselbst 1530 cm 3 ),und Hiddens-Ö erlitt 1846 auf der Nordseite in Folge von Berg-sturz einen beträchtlichen Verlust.

d. Bildung der Baumstubben.

Sind die herabgestürzten Landmassen mit Bäumen bestandengewesen wie z. B. das in der Sturmfluth des Jahres 1872 unter-wühlte Steilufer des Heiligen Damm in Mecklenburg, so könnendie Baumstämme in Folge ihres doch ziemlich beträchtlichen Volumen

1 ) a. a. O. S. 230.

2 ) Boll, a. a. O. S. 158, 159, 165.

8 ) P. Lehmann, a. a. O. S. 31.