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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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43
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II. Geologisches.

Strandbildung.

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bewirkt werden, die Folgen der anschwemmenden Meeresthätig-keit sind dennoch für die Ostsee weit wichtiger geworden. Diesehr grossen Wellen bei starkem auflandigen Winde wühlen nämlichmanche Bestandtheile des Meeresgrundes, die in Folge der Zerstö-rung von Steilküsten seewärts geführt und dort abgelagert waren,auf und nähern dieselben dem Ufer. Die untere Strömung führtaber die Stoffe, welche der Oberstrom derselben Welle dem Ufergenähert hatte, wenigstens theilweise wieder seewärts. Weil jedochdort, wo der Unterstrom dieser Welle und der Oberstrom dernächstfolgenden Zusammentreffen, relative Ruhe eintritt, so müssenbeide Strömungen wenigstens einen Theil ihres mit fortgeführtenMaterials an diesen Knotenpunkten ablagern. Dieselben sind freilichbei jedem Winde andere, da aber an jeder Küste eine bestimmteWindrichtung die vorherrschende ist, so bilden sich Reihen vonSandriffen aus, die unter einander und gewöhnlich auch mit demUfer parallel verlaufen und durch tiefere Wasserrinnen von einandergetrennt sind. Man bezeichnet diese Riffe an den deutschen Küstender Ostsee mit dem Ausdruck »Schaare«; die tiefen Rinnen zwischendenselben werden von den Letten »Jomen« und von den Liven»Wiggen« *) genannt.

Oft wird an günstigen Stellen diese anschwemmende Thätigkeitder Wellen so bedeutend, dass die Schaare bei Hochwasser eineHöhe erreichen, die weit über das Niveau des mittleren Wasser-standes emporragt. So ist der erste Schritt gethan, dem Meereetwas von seiner Fläche abzugewinnen, denn diese hohen Partiender Schaare geben einen Anhaltspunkt für weitere Anschwemmungenund vergrössern sich mehr und mehr in Folge der Wellenthätigkeit.

a. Yor gerade verlaufenden Küstenstrecken.

a. Strandbildung.

Vor gerade verlaufenden Küstenstrecken, die keine tieferenEinschnitte zeigen, bildet sich auf diese Weise wenn die Küstenicht so steil ist, dass der Unterstrom der Welle, in Folge derdurch das heftige Anprallen ans Gestade hervorgerufenen rückwärtsstossenden Kraft, eine bedeutendere Intensität als der Oberstrom

') Grewingk, Geologie von Liv- und Kurland, S. 140, 145.