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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches.

Strandbildung.

erlangt ein mehr oder weniger breites Vorland, der Strand,welcher je nach den verschiedenen Windrichtungen auf mehr oderweniger grossen Strecken vom Wasser entblösst wird.

In den allermeisten Fällen ist der Strand von sandiger Be-schaffenheit. Der Umstand, dass nicht feinere Substanzen die Zu-sammensetzung desselben bilden, erklärt sich leicht aus der Thätig-keit der unteren Wellenströmung; denn da diese gewöhnlichunbedeutender ist, als die obere und also nicht so grosse Bestand-teile schwebend zu erhalten vermag, wie die letztere, beraubt sieden Oberstrom der feineren Partikelchen und verhindert, dass die-selben ans Land gelangen.

An Stellen, wo die Intensität der Wellen zur Zeit der Abla-gerung des mitgeführten Materials noch eine sehr grosse ist, trifftman, wenn zu gleicher Zeit auf dem Meeresgründe ein grosserReichthum an Gesteinen auftritt, eine Strandbildung aus Rollkieseln.Hier fehlt oft die sandige Substanz völlig, denn sobald der Ober-strom so intensiv ist, dass er Gerolle fortzuschieben vermag, istauch der Unterstrom im Stande, Sand seewärts zu führen.

Die bekannteste Strandbildung dieser Art an der ganzen Ost-seeküste ist der sog. Heilige Damm zwischen dem hohen Ufer vonFulgen und dem hohen Vorsprunge Schrödersort. Er hat eineHöhe von ca. 2,5 m. An der Ostküste der Insel Alsen finden sichzwei derartige Strandbildungen; die bedeutendere derselben erreichteine Höhe von 3 m und eine Breite von 30 m. An der Südküstederselben Insel erstreckt sich ein Kieseldamm von dem LandeKekenis bis zur Südspitze Alsens, der Pöel-Spitze. Ferner wirdder Strand vor den Salzwiesen der Colberger Heide, östlich vomEingänge in die Kieler Föhrde, durch einen Damm von Rollsteinengebildet, der stellenweise eine Höhe von 3 m besitzt. Als letztesBeispiel möge der auf dieselbe Weise gebildete Damm erwähntwerden, der die Niederung, in welcher der Bankeldamm-See gelegenist, von dem Kleinen Belte trennt 1 ).

Zuweilen kann man an dem Ostseegestade, wie z. B. an derSeeseite der kurischen Nehrung, zwei verschiedene Arten des Stran-des, nämlich einen Sommerstrand und einen Winterstrand unter-scheiden. Letzterer ist der nähere am Ufer; er wird in der Regelnur bei dem hohen Wasserstand zur Winterszeit von der See über-

*) Segelhandbuch für die Ostsee . I. S. 368, 369, 375, 409, 355.