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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
Entstehung
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II. Geologisches.

Dünenbildung.

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fluthet und stellt in Folge der durch den höheren Wasserstand be-dingten grösseren Wellenintensität eine Anhäufung weit gröbererMassen dar, als auf dem ersteren gefunden werden 1 ).

b. Dünenbildung.

In sehr engem Zusammenhänge mit der Entstehung des Stran-des steht die Dünenbildung. Der sandige Strand liefert das Material,aufgebaut aber wird die Düne vom Winde, und weil sich an demSeegestade derselbe in Folge der grossen, freien Meeresfläche zusehr grosser Intensität entwickeln kann und er ein lockeres, zumAufbau der Düne ungemein geeignetes Material in dem Sande desStrandes vorfindet, so trifft man die bei weitem grösste Zahl allerDünengebilde der Erde an der Seeküste. Dass sie nicht ausschliess-lich auf das Seegestade beschränkt sind, zeigt ihr Vorkommen ansolchen Stellen des Binnenlandes, wo weite Ebenen eine grosse In-tensität des Windes auf kommen lassen und wo zugleich der sandigeBoden den Stoff zur Dünenbildung darbietet. Im grossartigstenMassstabe sind die binnenländischen Dünen in Wüstengebieten an-zutreffen, aber sie fehlen auch keineswegs in den Küstenländern derOstsee , wo z. B. das Alt-Alluvium des Memeldeltas 2 ) und dieHeide-Ebene Mecklenburgs zwischen dem uralisch-baltischen Höhen-rücken und der Elbe derartige Erscheinungen aufweisen.

Der Strand allein kann freilich nicht genug Material zumDünenaufbau liefern, es ist vielmehr unerlässlich, dass währendeiner längeren Zeit im Jahre ein niedriger Wasserstand herrscht.Der in diesem Falle von Wasser entblösste Theil des Meeresbodensverliert bald unter der Einwirkung der Sonne und der Luft seinenFeuchtigkeitsgehalt und in Folge dessen seine Cohäsion. Weht derWind dann später landeinwärts, so bewirkt er zwar ein Steigen desWasserspiegels, jedoch nicht so schnell, dass er nicht einen Theildes getrockneten Materials hätte landeinwärts treiben können, be-vor das alte Niveau wieder erreicht wurde. Bei dieser Bewegungstellen sich ihm jedoch manche, wenn auch anfangs noch sehrkleine Hindernisse entgegen und zwingen ihn, einen Theil des fort-geführten Sandes fallen zu lassen. Die so entstandenen Erhöhungengeben dann wieder Veranlassung zu einer weiteren Anhäufung des

*) Berendt, a. a. O. S. 13.

2 ) Berendt, a. a. O. S. 27.