II. Geologisches.
Dünenwanderung.
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erodirend. Der in letzterem Falle mitgeführte Sand wird auf derdem Winde abgewendeten Seite der Düne niedergeschlagen und dieFolge davon ist, dass sowohl der Fuss des Dünenberges an derSeeseite, wie auch der Gipfel derselben und auch der Fuss an derLandseite, kurz die ganze Düne landeinwärts wandert, während sichvor derselben eine neue Düne aulbaut, sobald die Flindernisse,welche zum Bau der ersten Düne Veranlassung gaben, wieder ansTageslicht hervorkommen oder andere derartige Hindernisse auf-treten. Dies Landeinwärtswandern der Dünen hat sich am Ostsee-strande häufig genug in der verderblichsten Weise bethätigt, indemfruchtbare Ländereien versandet wurden. Am NiederbartauschenStrande an der kurländischen Westküste, südlich von Libau , sindfünf Dörfer durch Sand zerstört worden. Auf der kurischen Neh-rung sind im Laufe der letzten Jahrhunderte sechs Dörfer unterge-gangen ; über der früheren Stelle eines dieser Dörfer, Carwaiten, stehenjetzt 58 m hohe Dünen und das ehemalige DorfKunzen, das früheram Haffufer lag, ist an der Seeseite der Dünenkette wieder zumVorschein gekommen. Nach 22 Beobachtungen während eines Zeit-raums von 24 Jahren sind innerhalb desselben die Dünen nach Ostenum 135 m vorgerückt, also im Durchschnitt jährlich um 5,6m.Ausserdem zeigt Berendt an dem Plateau von Melneraggen nörd-lich von Memel die gewaltigen Wirkungen des Flugsandes, der so-wohl den Abfall des Plateaus, als auch eine grosse Fläche des-selben überweht hat. Die frühere Plateau-Kante ist völlig verdecktworden.
Auf der Strecke Treptow-Cammin haben gleichfalls wieder-holt Dünenwanderungen stattgefunden. Ihre Wirkungen mögen fol-gende Angaben schildern: 2 )
1558 waren die Wiesen bei Wachholzhagen an der Seiteder Eiersberger und Kirchberger Tannen völlig versandet;
1664 begann das Vorwerk Haidehoff zu versanden;
1694 musste dies Vorwerk abgebrochen werden, worauf manes ca. 113 m weiter landeinwärts verlegte;
1682—1690 bildeten sich Sandberge an der Rega und ver-wüsteten einige Gehöfte bei Ostdeep;
1699—1708 versandeten mehrere Wiesen am rechten Rega-
Ufer;
') Berendt, a. a. O. S. 83—91 und S. 20.
2 ) Rosenhain in der Zeitschrift der deutschen geol. Gesellsch., IX. S. 476 etc.