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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches.

Umformungen eines Strandsees.

marinen Ablagerungen seewärts hinaus hat sich das Delta nichtvorgeschoben.

Dass ausser den genannten Flüssen noch manche andere eineDeltalandschaft durchfliessen, jedoch ohne ein morphologisches Deltazu bilden, ist zum mindesten sehr wahrscheinlich. Hierher möchtendie Alluvial-Landschaften des unteren Pregel, der Leba , der unterenOder, der Peene , der Recknitz, der Warnow und der beiden in denDassower Binnensee mündenden Flüsse Trave und Stepenitz zurechnen sein. Wie weit jedoch solche Deltalandschaften sich thal-aufwärts erstrecken, darüber kann ein sicheres Urtheil erst abge-geben werden, wenn eine hinreichende Anzahl von Tiefbohrungendargethan hat, bis zu welchem Punkte sich die auf dem Seeboden lagernden Schichten unter den Flussalluvionen landeinwärts hinziehen.Die Ausdehnung der oberflächlich lagernden Alluvialschichten giebtnämlich keinen Anhalt für die ehemalige Grösse des Strandsees,denn zur Zeit der Schneeschmelzen überschreiten fast alle Flüsseihr Bett, lagern Schlamm auf sonst trocken gelegenen Stellen ab,erhöhen so ihre Umgebung und bedecken Lokalitäten, wo nie derSpiegel des Strandsees gewesen ist, mit alluvialen Massen. Da nundas Gefälle des Flusses in grösserer Entfernung von der Mündungbedeutender ist, als in der Nähe derselben, so ist die Ablagerungin ersterer Gegend stärker, als in der letzteren und schon aus diesemGrunde erhebt sich das Niveau des Deltas beim Landeinwärts-schreiten mehr und mehr über den Meeresspiegel. Dies Ansteigenfindet auch oft noch deswegen statt, weil, wie G. R. Credner anzahlreichen Beispielen nachgewiesen hat 1 ), viele Deltas der säkulärenHebung unterworfen sind.

Schätzt man, auf Grund dieser Betrachtungen, die Ausdehnungder oben erwähnten, wahrscheinlichen Deltas, so scheint zunächstdie Sohle des Pregelthales bis weit oberhalb von Königsberg eineDeltalandschaft zu sein, denn der Spiegel des Pregel ist bei Königs­ berg nur i m hoch gelegen, während die Flussalluvionen weitmächtiger sind und bedeutend unter den Meeresspiegel hinabreichen.Die Leba mündete allem Anscheine nach einst oberhalb des hinter-pommerschen Städtchens Lauenburg in den damals bis hier hin sich

) G. R. Credner , die Deltas, ihre Morphologie, geogr, Verbreitung und Ent-stehungsbedingungen. (Ergänzungsheft Nr. 56 zu Petermanns geogr. Mittheilungen.1878. S. 6670.)