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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches.

Ablenkung der Flüsse.

lieh anderer Küstenströmungen in den bei weitem meisten Fälleneine Abweichung nach links, statt wie am Rigaschen Busen nachrechts. Unter den seltenen Abweichungen nach rechts verdient be-sonders erwähnt zu werden die Mündung des Memeler Gatt, desAusflusses des Kurischen Haffs, die mehr und mehr nordwärtsrückte, bis diesem Vorgänge durch Anlegung von Quais und MolenEinhalt gethan wurde. Zu Anfänge dieses Jahrhunderts betrug diejährliche Verlängerung der Nehrung ca. 3,76 m und Berendt ziehthieraus und aus manchen anderen Anzeichen den Schluss, dass dielitthauische Tradition, Memel sei 1279 am direkten Ausflusse derDange in die See gegründet worden, grossen Anspruch auf Wahr-scheinlichkeit habe 1 ).

Eine Ablenkung nach Osten zeigen ausserdem nur noch dieElbinger Weichsel und die Rega, bei welcher letzteren dieselbe ehe-mals viel bedeutender war, als ihre frühere Mündung, ein Tiefzwischen dem Camper-See und der Ostsee , noch existirte. DiesTief wurde aber ungefähr um das Jahr 1420 von den Colbergernaus Handelsneid verschüttet, worauf die Treptower die jetzigeMündung gruben. Es sind diese beiden Fälle jedoch nur beiläufiganzuführen, da sich hier das plötzliche Umbiegen des Flusses inder Nähe der Küste leicht durch den Umstand erklärt, dass diejetzige Mündung in Gestalt eines Tiefes zwischen einem Strandseeund der Ostsee früher vorhanden gewesen ist, als die untere Streckedes jetzigen Flusses. Dieselbe entwickelte sich erst in Folge vonVertorfung des Strandsees in dieser Ausdehnung, weil der Fluss,als er auf dem geradesten Wege die Dünenkette erreicht hatte, zuschwach war, dieselbe zu durchbrechen und daher gezwungen wurde,an dem Binnenfusse der Dünen entlang zu fliessen. Eine unmittel-bare Wirkung der Meereswellen auf das plötzliche Umbiegen istalso in diesen beiden speciellen Fällen ausgeschlossen, ebenso wiebei den folgenden Flussläufen, die eine Ablenkung nach links er-fuhren: die Danziger Weichsel , die Czarkau in der Moorniederungwestlich von Rixhöft und der Chaustbach, welcher durch den Sarb-sker See fliesst und in die Leba mündet.

Eine unmittelbare Wirkung der Meereswellen ist jedoch überallvorhanden, wo das abgelenkte Stück des Flusses entweder auf dereinen Seite von nicht-alluvialen Gebilden, auf der anderen Seite da-

l ) Berendt a. a. O. S. 68.