II. Geologisches.
Ablenkung der Flüsse,
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gegen von alluvialen Meeresgebilden begrenzt wird, oder auchdort, wo beide Seiten des abgelenkten Flusses von marinen Allu-vionen eingefasst werden. Der erstere Fall wird in Deutschland repräsentirt durch die Strecke der Peenestrasse nördlich von Wolgast und dem Inselkerne von Crummin, ferner an Kurlands Westküstedurch die Windau, welche unmittelbar oberhalb gleichnamiger Stadtaus ihrer Richtung SE—NW in eine fast rein ostwestliche über-geht und auf dieser Strecke nur durch einen sehr schmalen Land-streifen vom Meere geschieden wird, und schliesslich in Dänemark wahrscheinlich durch die Pram-Aa, welche von Südosten -her insehr spitzem Winkel auf die Kjöge-Bucht zu fliesst, aber in un-mittelbarer Nähe des Strandes nach links umbiegt 1 ).
Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, dass, abgesehen von jenennicht unmittelbar durch die Wellen verursachten Flussablenkungen,an der ganzen deutschen und russischen Küstenstrecke der mittlerenOstsee nur eine einzige Ausnahme von der Ablenkung nach linksangetroffen wird, die Mündung des Memeler Gatts. Um so höheresInteresse beansprucht daher die Frage nach dem Grunde dieser soeinzig dastehenden Ablenkung. Dieselbe möchte sich zutreffend da-hin beantworten lassen, dass hier die Gewalt des Windes im Kampfemit der Küstenströmung den Sieg davon getragen und so jeneAusnahme veranlasst hat. Es ist nämlich leicht zu ersehen, dassdort, wo die vom Winde erzeugten Wellen eine solche Grössehaben, dass sie nur wenig durch die Küstenströmung modifizirtwerden, sie allein und nicht die Küstenströmung das richtungbe-stimmende Element bei der Ablenkung der Flüsse sein müssen,mithin auch die letztere entgegengesetzt der Richtung der Küsten-strömung stattfinden wird, wofern die Windwellen derselben ent-gegen oder doch in anderer Richtung verlaufen. Ein solcher Falltritt nun aller Wahrscheinlichkeit nach an der Mündung des MemelerTief ein, da, wie oben bei Angabe der geographischen Verbreitungder Dünen am Ostseegestade gezeigt wurde, an dieser Stelle dieDünenbildung, also auch die anschwemmende Meeresthätigkeit unddie Windintensität einen hohen Grad erreichen. WeM jedoch hierdie Dünen hauptsächlich den Winden aus W und SW ihre Ent-stehung verdanken, so findet eine Ablenkung nach rechts statt undnicht, wie sonst überall an den Küsten der inneren Ostsee, nach
l ) Deutsche Admiralitätskarte Nr. 55.