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II. Geologisches.
Seewärts vorragende Alluvionen.
links, zumal das Gatt von Süden her mündet und dessen Wasser-massen daher in der Richtung der durch den Wind erzeugtenWellen weniger Widerstand entgegensetzen, als wenn das Gatt vonNorden her flösse.
cl. Hinauswachsen der Alluvionen seewärts.
Die nothwendige Folge davon, dass die Mündungen von Flüssenseitwärts abgelenkt werden, ist die, dass sich seewärts vom altenStrande ein neuer bildet, der von dem älteren nur durch den Flussgeschieden wird. Zuweilen durchbricht aber der Fluss den neuenStrand dort, wo er zuerst jene Ablenkung erfuhr; das alte Flussbettversandet oder vertorft und es beginnt seewärts vom zweiten Strandedie Bildung eines dritten.
Auch hierfür lassen sich Beispiele am Ostseestrande anführen. Sostellt z. B. der Babit-See aller Wahrscheinlichkeit nach den Rest einesehemaligen Flussbettes der kurischen Aa dar, welches parallel demjetzigen verlief. Desgleichen hat die Mündung des Prerow -Stroms,welcher den Bodstedter-Bodden mit der Ostsee verband, 1874 aber ab-gedämmt wurde, wiederholt eine Ablenkung nach Westen erfahren unddieser wiederholten Ablenkung verdankt der grösste Theil der HalbinselDarss seine Entstehung 1 ). Es erstrecken sich nämlich vom DorfePrerow aus eine Reihe nach Westen zu büschelförmig divergirenderDünenzüge, welche in acht dazwischen gelegenen Thälern Mooreund Seen enthalten, und im Westen durch eine Stranddüne vomMeeresstrande geschieden werden. Diese acht Thäler waren, wieaus dem Obigen leicht zu ersehen, ehemalige Betten des Prerow -Stroms. Die Bildung eines neunten Thals ist angebahnt worden,denn in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts schuf sich derPrerow-Strom wiederum eine neue Mündung, die aber jetzt, wiegesagt, künstlich geschlossen worden ist. Wie relativ schnell dasWachsthum des Darsses gewesen ist, geht daraus hervor, dass dasneunte Thal in dem Zeiträume von 1694—1840 um ca. 2000 msich nach Westen verlängert hatte.
Der DaPss bietet ferner im Verein mit der früheren Insel Zingst die Erscheinung dar, dass alluviale Meeresablagerungen in Folgedes Zusammentreffens verschiedener Strömungen oft geradezu vor-
J ) P. Lehmann, a. a. O. S. 35.