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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches.

Seewärts vorragende Alluvionen.

An ausserdeutschen derartigen Vorkommnissen ist die Siid-westecke der Insel Möen erwähnenswerth, die sogenannte HarböllerViehtrift. Dieselbe besteht aus einem angeschwemmten Dreieckeund ragt vorsprungartig in den Grönsund hinein, welcher als dieHaupt-Verbindungsstrasse zwischen der Smaalande-See und der öst-lichen Ostsee sehr reich an Strömungen ist. Die alte Küstenlinie,ein steiler grasbewachsener Abhang, befindet sich jetzt ca. 1300 mvom Meere entfernt x ).

Ausser den bis jetzt genannten gibt es noch eine geringeAnzahl kleinerer Bildungen dieser Art; aber die gegebenen Bei-spiele werden genügen, um erkennen zu lassen, wie verschwindendklein die Zahl und der Umfang der ins Meer vorspringenden allu-vialen Ablagerungen ist, gegenüber den vor Buchten zu Stande ge-kommenen Alluvionen.

Wie man aus dem Gange der Entwickelung eines Schaar zueiner den Meeresspiegel überragenden Alluvion schliessen wird, ver-längern sich weit in die See hinausragende alluviale Bildungen häufigin unterseeischen Sandriffen, welche im Laufe der Entwickelungmehr und mehr aus dem Wasser emportauchen und auf den See-karten von Steinriffen ebensowenig unterschieden werden, wie Sand-bänke von Steingründen.

Von den oben angegebenen Oertlichkeiten zeigen eine beson-ders umfängliche Verlängerung in unterseeischen Sandriffen * 2 3 ): dieBirk-Nak, die Bukspitze und der Darsser Ort. Das Sandriff derBirk-Nak, der sog. Kalkgrund, hat eine Länge von ca. 3,5 km, dasder Bukspitze, Trollegrund genannt, ist weniger bedeutend und auchdas Riff des Darsser Ortes erreicht nicht die Grösse des Kalkgrun-des. Wol aber ist hier die Anschwemmung eine weit stärkere,als an den beiden anderen Stellen, denn man sieht noch auf Kartenvom Jahre 1712 der Nordostspitze des Darsser Ortes eine InselRutt vorgelagert, welche jetzt landfest geworden ist; 1840 hat dieBildung einer neuen Sandinsel begonnen. Die Nordostspitze desDarsses selbst ist in dem Zeiträume von 1694 bis 1840 um mehrals 900 m gewachsen s ).

*) Puggaard, a. a. O. S. 99.

2 ) Segelhandbuch und verschiedene Seekarten.

3 ) Boll, a. a. O. S. 226.