II. Geologisches.
Zerstörung der Alluvionen.
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C. Die Zerstörung der vom Meerefrüher selbst geschaffenen Bildungen.
a. Konstante Zerstörungen der Alluvionen durch dieMeereswellen.
Hiermit wären im wesentlichen die Wirkungen der anschwem-menden Meeresthätigkeit dargelegt worden; es erübrigt jetzt nurnoch zu erwähnen, dass die alluvialen Meeresgebilde keineswegs überallin stetiger Zunahme begriffen sind, vielmehr unter veränderten Be-dingungen häufig eine Abnahme erfahren.
Bei den Alluvionen, welche vorsprungartig in die See hinausragen, muss eine Zerstörung durch die Wellenthätigkeit beginnen,sobald eine durchgreifende Veränderung der Strömungsverhältnisse,welche das Wachsthum der alluvialen Bildungen veranlassten, statt-findet. Dies ist z. B. der Fall an der Nordostspitze des Darsses,wo seit der im Jahre 1874 erfolgten Abdämmung des Prerowstromsjene erst seit 1840 entstandene kleine Sandinsel bereits wesentlichverkleinert worden ist 1 ).
Bei denjenigen alluvialen Bildungen, welche unter dem Schutzevon Vorgebirgen in dem Eingänge von Buchten oder Meeresstrassenabgelagert wurden, treten entgegengesetzte Wellenwirkungen dannauf, wenn die einschliessenden Vorgebirge derartig vom Meere zer-stört worden sind, dass die Intensität der das Alluvium erreichen-den Wellen eine weit grössere geworden ist, als beim Beginn derAblagerung. Es wirkt dann der Unterstrom der Welle erodirendund die See schreitet auf Kosten des Alluvium landeinwärts.
Befindet sich nun hinter dem Strande ein See, so tritt baldein Stadium ein, wo die ehemals ganz geschlossene oder nur durchschmale Kanäle unterbrochene, beide Wasserbecken trennende Neh-rung zum grössten Theile zerstört erscheint. Das dritte Stadiumder abdämmenden Meeresthätigkeit hat mithin einen Rückschlag indas zweite erfahren. Dieselbe Erscheinung muss auch eintreten,wenn sich hinter dem Strande eine Depression befindet und derStrand vernichtet wird. Ein solches zerstörtes drittes Stadiumstellt der Heiligenhafener Binnensee dar, wo die Halbinsel Stein-
*) P. Lehmann, a. a. O. S. 36.
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