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II. Geologisches.
Einwirkung von Kunstbauten.
mählig ein einförmigerer und weist zuletzt statt der früher gezacktenLinien deren nur sanft geschwungene auf. Am Ostseegestadezeigen die Strecke von Steinort bis Cranz sowie die hinterpommer-sche Küste von Rixhöft bis Swinemünde und vom Darsser Ort biszum Vorsprunge der mecklenburgischen Halbinsel Buk besonderseinförmige Linien, dass aber auf allen diesen Strecken ein Endproduktder Wellenthätigkeit der Ostsee noch nicht erreicht ist, beweist diegewaltige Zerstörung mancher Punkte.
D. Einwirkung der Kunstbauten derMenschen auf die Wellenthätigkeit.
An manchen Küstenstrecken haben sich die betreffenden Ortserwähnten Wellenwirkungen sehr verändert, seitdem daselbst mensch-liche Kunstbauten in Gestalt von Buhnen errichtet wurden. Dieselbenstellen Dämme oder auch Pfahlreihen dar und sind, entsprechend derHeftigkeit der herrschenden Wellenbewegung, in grösserer oder gerin-gerer Länge und in grösserer oder geringerer Entfernung von einanderin die See hinaus gebaut zu dem Zwecke, dass in den Flächen zwischenden einzelnen Buhnen die Wellen an Intensität verlieren und demnachnicht mehr erodirend auf das Gestade einwirken. Da aber in Folgeder verminderten Intensität die Wellen an Transportfähigkeit ver-lieren, so kann unter besonders günstigen Verhältnissen eine der-artige Modifikation der Wellengewalt erzielt werden, dass nicht nurdie Zerstörung des Ufers aufgehoben wird, sondern dass sogar einLandgewinn eintritt.
Ein sehr instruktives Beispiel hierfür bietet die nächste Um-gebung Swinemündes, denn während sonst der alluviale Küstenstrichzwischen Heringsdorf und Misdroy überall einer nicht unbeträcht-lichen Abspülung unterliegt, ist hier seit dem Bau von Molen einsehr grosser Landzuwachs zu konstatiren. Im Jahre 1739 ging dieKüstenlinie durch den Ort Swinemünde derart, dass die Stelle desheutigen Gesellschaftshauses, dessen Entfernung vom heutigen Strandelängs des Bollwerks 2 km beträgt, noch ins Meer fällt. Die grossenPlantagen des Orts auf dem Wege zum König Wilhelms-Badestehen auf einem Boden, der nicht älter ist als hundert Jahre.Nicht völlig so bedeutend war die Anschwemmung auf der Ostseite