Buch 
Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

II. Geologisches.

Hebungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.

93

das Baumaterial der Thürme aus zahlreichen Lagen dünner Stein-platten gebildet, die durch Cementschichten mit einander verbundensind. Nach Lyells Vermuthung, welche auch den vollen Beifall desbedeutenden englischen Architekten Wilkins hatte, befand sich ur-sprünglich der Theil der Thürme unterhalb des Reifes im Meere,während der Reif selbst im mittleren Wasserniveau lag. Erst inFolge der säkularen Hebung wurde dann der untere Theil der Thürmeund ein Theil des ehemaligen Meeresbodens frei gelegt. Da nun aberdas Schloss zu Calrnar bereits im Jahre 1030 bestand, so kann dieHebung in dem langen Zeitraum von 10301834 höchstens 1,18 mbetragen haben. Dies ergiebt für ein Jahr 0,15 cm und für ein Jahr-hundert 15 cm.

Ordnet man nun die verschiedenen Punkte der schwedischenKüste, deren Hebungsgrössen für die Dauer eines Jahrhunderts indieser Arbeit mitgetheilt worden sind, in der Richtung von Nordennach Süden, so erhält man folgende Daten:

Die Hebung in vertikaler Richtung beträgt während eines Jahr-

hunderts für

Piteä (Stor-Reb).1,26 m

Ratan.,.1,23

Sundsvall.ca . 1,30

Edsjö.0,63

Gefle (Löfgrund).0,85

Oeregrund (Gräsö).1,24

Stockholm.0,25

Calrnar.0,15

Das Maximum der Hebung findet mithin an der nördlich vonSundsvall gelegenen Küstenstrecke Norrlands sowie zwischen Gefleund Stockholm statt. Zwischen diesen beiden Küstenstrecken grössterHebung und südlich von Stockholm sind dagegen beträchtliche Ab-nahmen zu constatiren. Man hat aus diesem Grunde die Hebungder Ostküste Schwedens eine wellenförmige genannt.

Die finnischen Küsten unterliegen gleichfalls säkularen Hebungs-erscheinungen und zwar die Westküste in höherem Masse als dieSüdküste. Hallsten 1 ) giebt den Betrag der Hebung für die nörd-lichen Gegenden Finnlands auf 1,21,6 m im Jahrhundert 2 ), da-gegen für den Süden nur auf 0,63 m an. Freilich scheinen auch

l ) Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde (Berlin ). Band VI. 1871. S. 99.

4 ) Vergl. auch S. 90 dieser Arbeit.