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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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94
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94 II* Geologisches. Hebungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.

stellenweise lokale Unterbrechungen des Hebungsgebietes vorzu-kommen, wenigstens deutet folgender Umstand darauf hin.

Der Professor Gadd 1 ), Physiker und Chemiker an der Univer-sität Abo, hatte an der finnischen Küste unweit dieses Orteseine Anzahl Eichen und Tannen, die auf sehr festem Bodenwuchsen, fällen lassen und beim Zählen der Jahresringe gefunden,dass das Alter der gefällten Bäume 250310 Jahre betrage. DieHöhe des Standpunktes belief sich aber nur auf 0,11 m 0,60 müber dem Meeresspiegel. Hätte hier also jene für die SüdküsteFinnlands angegebene säkulare Hebung von 0,60 m stattgefunden,so würden hier keine so alten Bäume haben stehen können, daEichen und Tannen bekanntlich nicht in Wasser oder in sumpfigemTerrain zu wurzeln vermögen. Hier ist also eine Gegend vorhanden,wo im Gegensätze zu den übrigen Punkten der finnischen Ostseeküsteentweder eine nur in kaum messbarem Grade aufwärts drän-gende Kraft oder Ruhe oder sogar eine nur lokale Senkung statt-gefunden haben muss.

Auch an manchen der in der Mitte des finnischen Busens ge-legenen Inseln, wie Gr. Tyters und Hochland, sind säkulare Hebungenbeobachtet worden 2 ). Nahe dem Vorgebirge Altar-Kallio derletzteren Insel ragt eine Felsmasse ziemlich hoch über das Wasserempor und ist mit derselben durch einen ca. 6 m langen Felsendammverbunden, der im Jahre 1835 nur bei hoher See überfluthet wurde.Damals erzählte ein alter Mann, dass sein Grossvater als jungerMensch bei schwachem Winde zwischen Hochland und Altar-Kalliohindurch gesegelt sei. Da es sich hier um einen Felsendammhandelt, ist eine Anschwemmung durch Wellen und ein Transportdurch Eis ausgeschlossen.

Auch noch im Süden des finnischen Busens lässt sich das nord-baltische Hebungsgebiet nachweisen. Seine Südgrenze erreicht das-selbe im oeselschen Archipele, wo übrigens die aufwärts drängendeKraft dermassen an Intensität verloren hat, dass man hier eigent-lich nur von schwachen Spuren reden kann. Dieselben bestehenwesentlich in dem Auftreten neuer Klippen und Riffe 3 ). Für eine

v. Etzel, a. a. O. S. 181 u. 182.

a ) Die Insel Hochland im finnischen Meerbusen (Ausland. 50. Jahrgang. 1877. S. 553*)

s ) Hahn, Untersuchungen über das Aufsteigen und Sinken der Küsten. Leipzig ,1879. S. 158 (unter Berufung auf Schmidt im Bulletin der Petersburger AkademieVIII. 1865 P . 347 ff)