98 II. Geologisches.
Senkungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.
überspült. Dies spricht gegen die Meinung Forchhammers‘), dereine ehemalige Zerstörung solcher schwedischen Küstenstädte muth-masst. Die neue Stadt soll über der Ruinenstätte der alten wiederaufgebaut sein; aber, wenn dem so wäre, hätte ja das Pflaster inder alten Stadt tiefer als der Meeresspiegel liegen müssen. Forch-hammer kam zu der Ansicht, dass Schonen nicht sinke, wahr-scheinlich durch den oben erwähnten Umstand, dass eine Linie vonder Mitte des Nissumfjordes über Nyborg, Möen bis Bornholm diesüdwestliche Grenze der Hebungserscheinungen in Dänemark bildetund dass sich der grösste Theil Skandinaviens hebt. Er konntesich anscheinend nicht mit dem Gedanken vertraut machen, dassSchonen, da es zwischen zwei Hebungsgebieten liegt, sinke, undum so weniger, da er glaubte, dass alle Niveauveränderungen aufder Erde ähnlich der Bewegung eines Wagebalkens vor sich gehen,so dass also einem Hebungsgebiete ein Senkungsgebiet entsprechenmüsse, aber ohne dass innerhalb eines Hebungsgebietes auch Sen-kungen angetroffen werden könnten. Eine solche Achse glaubteForchhammer in der Vulkanreihe Islands gefunden zu haben, dadie westlich davon gelegene Südspitze Grönlands sinkt, und dieVoraussetzung einer derartigen Achse verleitete ihn zu seiner fehl-samen Ansicht in Betreff der Bewegung Schonens. Man findet jafreilich Gegenden auf der Erde, hinsichtlich deren der Gedanke aneine Hebungsachse sehr nahe liegt; es ist z. B. die Ostküste derSüdinsel Neu-Seelands in Hebung begriffen, während die Westküstesinkt, und in Kreta ist das Verhältniss umgekehrt, hier sinkt dieOstküste und hebt sich die Westküste. Anscheinend sind diesaber lokale Ausnahmen, und meistens gestalten sich die Verhält-nisse ganz anders.
Manche andere Erscheinungen werden gleichfalls häufig alsSenkungsphänomene angesehen, während sie in Wirklichkeit nureinen Landverlust aber keine Senkung beweisen. Hierher gehörensubmarine Torfmoore an der Küstenstrecke Skanör-Trelleborg, diebis 0,6 m unterhalb des Wasserspiegels und 30—60 m vom Strandeentfernt liegen und nur Süsswasserpflanzen und Süsswasserschneckenenthalten. Wie früher gezeigt wurde, können aber derartige Vor-kommnisse völlig durch die Wellenthätigkeit erklärt werden. Frei-lich sind sie auch kein Gegenbeweis für eine säkulare Senkung,denn die zerstörenden Wirkungen der Wellen müssen naturgemäss
*) Forchhammer, a. a. O. S. 487.