Buch 
Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
Entstehung
Seite
99
JPEG-Download
 

II. Geologisches. Senkungsverh. an den heutigen Ostseeküsten. 99

sich weit heftiger äussern, wenn sich die Küste senkt, als wenn siekeine Niveauveränderung zeigt.

Auch das Vorkommen menschlicher Kunstprodukte in Torf-mooren braucht nicht auf Senkung der Küste zu beruhen, dennBootstrümmer können von Fahrzeugen herrühren, welche auf demStrandsee scheiterten, Streitäxte können aus der Zeit der Pfahl-bauten stammen u. s. w. Anders ist dagegen die Beziehung zwischendem Vorkommen von Baumstubben und einer säkularen Senkung,wenigstens in gewissen Fällen, wo Baumstubben eine stattgefundeneSenkung geradezu beweisen.

Es kann sich nämlich ereignen, dass eine ganz allmählig an-steigende, mit Wald bestandene Ebene im Laufe der Zeit unterdas Meeresniveau sinkt. In diesem Falle müssen die Bäume, sobalddas Erdreich genügend von Salzwasser durchtränkt ist, absterben;bei weiterem Verlaufe der Senkung verfaulen die Stämme gewöhn-lich bald, während die im Boden wurzelnden Stümpfe meistens er-halten bleiben. Solche Baumstubben werden sich natürlich in auf-rechter Lage auf dem Meeresboden befinden, während die in Folgevon Unterwaschung des Ufers herabgestürzten Bäume höchst seltenaufrechtstehende Stubben hinterlassen. Ausserdem wird an solchenUferstellen, wo Bäume nur in Folge von Senkung ausgedehnterflacher Landstriche unter den Meeresspiegel gelangt sind, der Meeres-boden sich nur sehr allmählig, in sehr kleinem Winkel neigen,während er an Steilküsten, die sich in Abbruch befinden und denenBaumstubben vorgelagert sind, verhältnissmässig schroff abfällt. Inallen Fällen ist jedoch erst eine genaue Untersuchung der Oertlich-keiten, welche Baumstubben aufweisen, nöthig, bevor man entscheidenkann, auf welche Weise die Stubben an ihren Platz gelangt sind.Eine noch jetzt stattfindende säkulare Senkung wird übrigens durchdie unterseeischen Baumstubben niemals bewiesen, ja es ereignetsich zuweilen, dass eine Gegend mit Baumstubben der säkularenHebung unterliegt, welche aber noch nicht lange genug gewährthat, um die Spuren der Senkung zu verwischen. Dies ist z. B.mit der Insel Bornholm der Fall (vgl. S. 38 und 96).

Ausser in Südschweden hat bis in die neuere Zeit eine säkulareSenkung in der Umgebung des kurischen Haffs stattgefunden. AnBeweisen für dieselbe fehlt es nicht 1 ). Man findet nämlich regelrechte

*) Berendt, a. a. O. S. 71 .

7