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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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101
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II. Geologisches.

Senkungsverh. an den heutigen Ostseeküsten. 101

festem Lande gewachsen seien, welches, nicht abgespült, sondernüberspült worden sei und welches, ausser dass ein paar Zoll Wasserdarüber ständen, gar keine Veränderung erlitten habe, weshalb dennauch der Gemeinde das Recht der Benutzung zugestanden werde.

Aus der unausgesetzten Senkung dieses Gebiets erklärt sichauch der bedeutende Umfang der Zerstörung der Ufer durch dieWellenthätigkeit, eine Zerstörung, die ohne Frage weit unerheblicherwäre, wenn die Küste sich in Ruhe befände.

Um genügend darüber ins Klare zu kommen, welchen Niveau-schwankungen manche Küstenstrecken unterliegen, brachte man diePegelbeobachtungen in Anwendung, und zwar unterzog Hagen 1 )diejenigen der preussischen Stationen Memel , Königsberg , Pillau ,Neufahrwasser, Stolpmünde, Rügenwaldermünde, Colbergermünde,Swinemünde , Wiek bei Greifswald , Stralsund , Barhöft, WittowerPosthaus und Glowe einer Untersuchung, Paschen dagegen in Nach-ahmung Hägens die der mecklenburgischen Stationen Wismar undWarnemünde . Jedoch umfassen, wie Hagen selbst erklärte, diesePegelbeobachtungen eine zu kurze Zeit, um mit Sicherheit Schlüssedaraus ziehen zu können, zumal bei einem Meere, welches bei ver-schiedenen Windrichtungen sowie in verschiedenen Jahren und Jahres-zeiten einen so wechselvollen Wasserstand hat, wie die Ostsee .Paschen 2 ), der mit der Wahrscheinlichkeit 1520: 1 für Wismar eine Hebung konstatiren zu können glaubte, hatte von den Beob-achtungsjahren 18491867 das letzte Jahr wegen seiner abnormenWind- und Wasserstands-Verhältnisse unberücksichtigt gelassen,aber trotzdem kann sein Resultat wegen der kurzen Beobachtungs-zeit noch nicht als ein definitives betrachtet werden. Dazu kommenmitunter lokale Umstände, welche den Wasserstand des Pegels sogardauernd beeinflussen können und welche, wenn sie übersehen werden,zu falschen Resultaten führen. So macht Hagen , welcher beimWittower Posthause eine Senkung, bei Swinemünde eine Hebungannehmen zu können meinte, selbst darauf aufmerksam, dass inP olge eines Dammes, welcher von der Südspitze der Halbinsel Bugnach der Insel Neu-Bessin geführt worden, der vom Meere in dieRügenschen Binnengewässer einlaufende Strom jetzt eine grössereStauung bedinge, als früher, und dass umgekehrt bei Swinemünde

*) Hahn, a. a. O. S. 160.

a ) Beitrag zur Untersuchung der trage über die Hebung der deutschen Ostsee-küste. (Beiträge zur Statistik Mecklenburgs. Bd. IV. S. 14).