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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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102
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102 II. Geologisches.

Senkungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.

Baggerarbeiten dem Strome eine grössere Vorfluth geschaffthaben 1 ).

Da also die Pegelbeobachtungen bis jetzt kein befriedigendesResultat zu geben vermögen, so muss man auf andere Anzeichenachten, um ein Urtheil in Betreff etwaiger Schwankungen derübrigen deutschen Ostseeküste in der Gegenwart zu erhalten. Hahnglaubt sowohl für Pommern , wie für Mecklenburg und Schleswig- Holstein eine Senkung konstatiren zu können 2 ), allein für Pommern vermag er neben Erscheinungen, die nur eine prähistorische Senkungbezeugen (die zerissenen Küstenconturen Rügens ) und solchen, dienur eine Zerstörung durch Wellenthätigkeit darthun (Durchbruch derSee durch den südlichen Theil der Insel Hiddens-Ö am 6. November1864), allein das Vorkommen von Baumstubben aufzuweisen, welches,wie oben gezeigt, an und für sich betrachtet und ohne dass nähereAngaben vorliegen, verschiedene Deutungen zulässt, insbesondereauch als Wirkung einer prähistorischen Senkung aufgefasst werdenkann (vgl. Bornholms Baumstubben, S. 99). Bei Beschreibung dermecklenburgischen Küste werden gleichfalls nur Ergebnisse prähi-storischer Senkungen angeführt, so namentlich die zerrissenen Küsten-umrisse des Wismarschen Busens. Anders scheint es jedoch anmanchen Punkten der schleswig-holsteinischen Ostseeküste 3 ) zu stehen.Denn neben einigen Anzeichen, die ebenfalls nur Beweise für eineprähistorische Senkung sind, und anderen, die nur einen stattge-habten Landverlust bezeugen (Bildung des Heiligenhafener Hafens;Bildung des Barsbecker Binnensees; Umwandlung eines ehemaligenStrandsees auf der Insel Alsen zu einer Ostseebucht, der Dy-Wiek;Umbildung der Halbinsel Oehe zu einer Insel) und sich völlig durchWellenschlag erklären lassen, finden sich auch solche (das beständigeUnterwasserstehen der Reste der alten Schleimünder Burg und dasVorkommen der Reste eines alten Walles im Meere nicht weit vomöstlichen Ausflusse des Fehmarnsundes), die vielleicht auf ein Sinkendes Landes in historischer Zeit hindeuten. So mag auch vonMaacks Angabe über das Verschwinden des alten Probsteier Jagd-schlosses Bramhorst und über das Vorkommen von Baumstubben desehemals dazu gehörigen Waldes bis zu ca. 300 m weit in die Seehinein vielleicht als Beweis für eine historische Senkung aufzufassen

*) P. Lehmann, a. a. O. S. 37.

a ) Hahn, a. a. O. S. 164166.

3 ) v. Maack, a. a. O. S. 12 und 13.