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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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111
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II. Geologisches.

Ehemalige Nordgrenze der Ostsee .

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b. Auf Grund der Äsars.

Früher glaubte man allgemein, ausser in diesen marinen dilu-vialen Ablagerungen noch ein anderes sicheres Kennzeichen für diefrühere Ausdehnung der Ostsee in den Äsars zu haben. Dieselbensind Anhäufungen von Kiesen und Steinblöcken und gleichen langenDämmen oder riesigen Brustwehren, die sich oft auf mehrere hundertevon Kilometern in merkwürdigem Parallelismus erstrecken und häufigseitwärts wieder Nebenarme entsenden. Man hielt die Äsars (Singular:Äs) früher für alte, durch Meereswellen umgeformte Gletscherablage-rungen, neuerdings ist jedoch diese Ansicht sehr wankend geworden,weil man in den meisten Äsars keine Organismen gefunden hat.Freilich enthalten manche dieser Bildungen Petrefakten eingeschlossen,aber hier sind es nicht die eigentlichen Äsars selbst, sondern diesie überlagernden marinen diluvialen, resp. marinen alluvialenSchichten. Diese Decke mariner Absätze wird jedoch, je weiter land-einwärts, desto dünner, bis sie zuletzt gänzlich verschwindet. Mansieht daher die von jenen Absätzen freien Äsars nicht mehr fürmarine Umformungsprodukte, sondern für Anhäufungen jenes Schuttesan, der in dem Gletschereise moränenartig eingefroren war, und amEnde der Eiszeit beim Abschmelzen des Gletschers zu Boden sankund so sich zu jenen Flügeln aufthiirmte. Die Umwandlungen, welchediese Asars allem Anscheine nach erfahren haben, wären dann nichtdurch Meereswellen, sondern durch Atmosphärilien bewirkt worden.

Für die eventuelle grösste Ausdehnung der Ostsee zur Zeitals Schweden sich am tiefsten gesenkt hatte, ist dieser Umstandvon der grössten Wichtigkeit, denn es zeigt sich fast überall einebedeutende Differenz zwischen den absoluten Höhen der Äsars unddenjenigen der marinen diluvialen Ablagerungen, wie folgende Bei-spiele darthun 1 ):

Dalekarlien .

Marine diluviale Ablagerungen am Siljan-See. ... 180 m

Äs im Kirchspiele von Transtrand.410

Differenz: 230m

Jemtland.

Marine diluviale Ablagerung im Ljusnethal zwischen

den Kirchspielen von Färila und Ljusdal . . . 160 mÄsars im Ljusnethal im Kirchspiel von Hede. . . 450

_ Differenz: 290 m

l ) Erdmann, a. a. O. S. 7576.