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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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XI. Geologisches.

Reliktenseen.

dasselbe gelangen und die Aehnlichkeit eines Landsees mit einerehemaligen Meeresbucht kann entstanden sein, ohne dass der Land-see jemals ein Meerestheil gewesen ist. Es können nämlich ur-sprünglich fast völlig horizontal abgelagerte Meeresniederschläge inFolge von Hebung derartig zu Mulden, Comben oder Clusen auf-gefaltet worden sein, dass Seebecken, die sich in diesen Faltungenund Spaltungen des Bodens bildeten, Aehnlichkeit mit ehemaligenMeeresbuchten erhielten; ausserdem aber kann auch die Senkungeines Landes einen derartigen Verlauf genommen haben, dass Land-seen in eine Lage zum Meere geriethen, durch welche sie jetzt inihren Umrissen früheren Meerestheilen täuschend ähneln. Beispielehierfür werden noch angeführt werden.

Geologische Momente können auch nicht immer massgebendsein für das Erkennen eines Reliktensees, denn wenn ein Landseeauch auf allen seinen Seiten von einer marinen Ablagerung umgebenist, deren etwaiges Emporheben und Auffalten ihn zu einem Re-liktensee ausgebildet haben könnte, so ist, wie gesagt, die Möglich-keit nicht ausgeschlossen, dass er nur ein Sammelbecken atmosphä-rischer Niederschläge darstellt. Diese letztere Annahme ist jedochsehr unwahrscheinlich, wenn ausserdem noch die drei PeschelschenForderungen erfüllt werden und das Land sich noch in Hebungbefindet, so dass also die Depression des Seebodens keiner Senkungzuzuschreiben ist. Freilich muss dann vorher noch bewiesen sein,dass das Land nach der Hebung, welche das Emportauchen desMeeresbodens veranlasste, keiner Senkung unterworfen war, derenWirkung (nämlich die Depression des Seebodens) die nachfolgendeHebung noch nicht auszugleichen vermocht hat.

Noch weit grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein LandseeReliktensee ist, wenn er neben Erfüllung der Peschelschen For-derungen nur auf einer Seite von demjenigen marinen Sedimentebegrenzt wird, dessen Emporsteigen ihn zum Reliktensee geschaffenhaben würde, während er an den übrigen Seiten von älteren For-mationen eingeschlossen wird. Ein solcher Reliktensee würde alsogenetisch einem Strandsee entsprechen, wo der einer jüngeren P'or-mation angehörende, vom Meere scheidende Strand in Folge vonHebung dermassen an Breite und Höhe gewachsen ist, dass derfrühere Strandsee allmählig zu einem weit landeinwärts gelegenenLandsee umgestaltet wurde, dessen Spiegel zugleich in Folge derdurch die Hebung bewirkten Stauung (wenn nämlich die Hebung