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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches. Reliktenseen.

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so grosse Dimensionen annahm, dass die Erosion des den Strandseeund das Meer verbindenden Gatts ihr das Gleichgewicht nicht zuhalten vermochte) mehr und mehr ein höheres Niveau annahm, bisdas Gleichgewicht zwischen Verdunstung und Zufluss erreicht war.Dagegen würde ein Reliktensee, der auf allen Seiten von marinenSedimenten begrenzt wird, einer emporgehobenen Mulde des Meeres-bodens entsprechen, und ein solcher, der nur auf zwei gegenüber-liegenden Seiten eine derartige Begrenzung hat, einem abgetrenntenMeereskanale. Das jetzige Salzhaff könnte z. B. bei einer Hebungein Reliktensee von solcher Form werden.

Wendet man diese Betrachtungen auf die Umgebung der Ostsee an, so gelangt man zu folgenden Ergebnissen:

In dem von den marinen diluvialen Ablagerungen bedecktenGebiete zwischen Nord- und Südschweden, wo früher die oben er-wähnte Meeresstrasse hindurchging, sind noch jetzt mehrere grosseSeen, von welchen die drei grössten, Wener, Wetter und Mälar,einige wenige marine Organismen enthalten 1 ). Im Wener wirdnämlich Gammarus loricatus Sab. angetroffen und im Mälar (eben-falls nur eine Form) Mysis relicta Lov.; dagegen hat der Wetterdrei marine Formen, Cottus quadricornis L., Idothea entomon L.,Gammarus loricatus Sab., und an seinem Ufer wachsen einigePflanzen, die sonst nur am Meeresgestade angetroffen werden, wieRumex maritimus L., Carex arenaria L. und Pilymus arenarius L.Da diese drei Seen allen Anforderungen genügen, so haben wir eshier mit Resten der oben erwähnten Meeresstrasse durch Schweden zu thun und zwar mit umgestalteten muldenförmigen Becken desMeeresbodens. Vielleicht bilden auch einige kleinere Seen derschwedischen Provinz Daisland Reste derselben Meeresstrasse, da siemarine Organismen (Mysis relicta Lov. und Gammarus loricatus Sab.)enthalten.

Auch von der bereits in der ersten Hälfte der Diluvialzeit, d. h. derersten Interglacial - Periode Pencks, existirenden Meeresstrassezwischen St. Petersburg und Archangel, die also eine Verlängerungdes jetzigen finnischen Meerbusens war, finden sich noch jetzt Restein den beiden grössten europäischen Landseen, dem Ladoga - unddem Onega-See , welche beide abgetrennte Stücke eines Meereskanals

*) Lov£n, om Oestersjön (förhandlingar vid de skandinaviska naturforskarnes.1863. S. 64, 65.)