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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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II. Geologisches.

Reliktenseen.

bilden. Der Ladogasee besitzt 1 ): Cottus quadricornis L., Idotheaentomon L., Mysis relicta Lov. und Gammarus loricatus Sab. sowieobendrein noch Seehunde; der Onegasee enthält andere marineFormen. Ob hier nur eine einzige Meeresstrasse in der Verlänge-rung des heutigen finnischen Busens eine Verbindung zwischenOstsee und Eismeer bewirkte oder ob auch der bottnische Busensich ehemals über den Enaresee bis zum Varangerfjord verlängerte,oder ob die Verbindung beider Meere sogar eine noch geräumigerewar, indem vielleicht grosse Theile Finnlands unter Wasser gesunkenwaren, darüber müssen erst spätere geologische DurchforschungenLapplands und Finnlands Auskunft geben. Die HöhenverhältnisseFinnlands bieten dieser Annahme kein Hinderniss, da dieselbengeringer als die höchsten absoluten Höhen der marinen diluvialenAblagerungen in Schweden sind, und ferner besitzen, was für dieseAnnahme sprechen könnte, mehrere finnische Seen, nämlich Höj-tiäin, Pyhäjervi und Rehja Relikten; wenigstens ist Mysis relictaLov. in ihnen gefunden worden 2 ). Bei dem auf der Mitte derfinnischen Seenplatte 31 Meilen ENE von Björneborg entfernt ge-legenen Jyväskyla findet man Muschellager, die jedoch noch nichtgenauer untersucht worden sind 3 ). Sollten dieselben marine Formenenthalten, so würde sich eine sehr grosse Niveauveränderung auchfür Finnland ergeben und die Verbindung mit dem Eismeere einesehr geräumige gewesen sein.

Ausser den bisher genannten Seen sind wahrscheinlich nochsehr viele schwedische Seen, nämlich die auf den verschiedenenöstlichen Abfallsterrassen Nordschwedens (d. h. des Theils vonSchweden , welcher nördlich von der grossen Seenkette liegt) be-findlichen Wasserbecken Reliktenseen. In den oben gegebenenBeispielen betreffs der Meereshöhe verschiedener diluvialer marinerAblagerungen sind der Siljan- und der Gesund-See erwähnt, und dadiese nordschwedischen Seen in ihren äusseren Umrissen ehemaligen,tief einschneidenden Meeresbuchten gleichen, so würden geologischeund morphologische Rücksichten dafür sprechen, dieselben als Re-liktenseen aufzufassen. Da aber, soviel bekannt, grosse Tiefen undmarine Organismen noch nicht beobachtet sind, so muss die Frage,ob Reliktenseen oder nicht, in Beihalt der obigen allgemeinen Be-

*) Lov6n, a. a. O.s ) Lov6n, a. a. O. S. 64.s ) Grewingk, a. a. O. S. 66.