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Beiträge zur physischen Geographie der Ostsee / von Carl Ackermann
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176
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III. Physikalisches.

Sturmverhältnisse.

Häufigkeit verloren und stehen jetzt West- und Ost-Stürme sichhinsichtlich ihrer Frequenz ziemlich gleich, ja letztere haben sogarein geringes Uebergewicht erlangt; ausser den Stürmen aus diesenbeiden Windrichtungen machen sich jetzt noch solche aus NE undW in hervorragenderer Weise geltend. Im Sommer herrschenWeststürme bei weitem vor und zwar in noch höherem Grade alsim Winter; die nach ihnen am zahlreichsten Nordwest-, Südwest-und Oststürme übertreffen zusammen die Weststürme nur um ein.Geringes und stehen, jeder für sich betrachtet, weit hinter denWeststürmen zurück. Auch im Herbste sind die Weststürme wieim Winter und Sommer die am meisten vorkommenden, sie stehenjedoch an procentischer Häufigkeit hinter denen des Sommerszurück; nach ihnen kommen nur die Südwest-, die Ost- und dieNordwest-Stürme wesentlich in Betracht. Die Nord-, Südost- undSüd-Stürme sind also in allen Jahreszeiten sehr selten, während dieWeststürme die bei weitem zahlreichsten im ganzen Jahre sind.Auf sie folgen der Reihe nach die Ost-, Südwest-, Nordwest- undNordost-Stürme.

Nicht unbeträchtlich modificirt erscheinen diese Resultate, wennman für die ganze Wasserfläche der Ostsee die Stürme in ihrerprocentischen Häufigkeit und in ihrer Richtung tabellarisch auf-stellt, indem man die in Nordwestrussland, Skandinavien , Däne­ mark und Norddeutschland gemachten Beobachtungen zusammenfasst.Bedauerlich können für die Herbstmonate und den December nochkeine abschliessenden Resultate gegeben werden; in den übrigenJahreszeiten vertheilen sich die Stürme (in absoluten und procen-tischen Zahlen) auf die einzelnen Richtungen der Windrose so, wiedie Tabelle auf S. 177 angiebt.

Der Hauptunterschied zwischen den Ergebnissen dieser Beob-achtungen und den in Lund gewonnenen besteht in der grossen Zu-nahme der Stürme während der Wintermonate (excl. December)und in der weit grösseren Anzahl der Südweststürme, welche sogardie reinen Westwinde an Häufigkeit übertreffen. Wol nicht ohneGrund darf man annehmen, dass diese Abweichungen noch weitausgeprägter zu Tage treten würden, wenn man die Sturmverhält-nisse der nördlichen Küstenländer der Ostsee für sich allein be-trachtete.