Buch 
Baßler-Chronick : Darinn alles, Was sich in obern Teutsche Landen, nicht nur in der Statt und Bistumbe Basel, von ihrem Ursprung her, nach Ordnung der Zeiten, in Kirchen- und Welt händlen, bis in das gegenwirtige MDLXXX Jar, gedenckwirdiges zugetragen; Sonder auch der Eydtgnoschaft, Burgund, Elsaß und Breißgow, als beyligender Landtschafften, mit eingemischte historische Sachen, warhafftig beschrieben : sampt vieler Herschafften und Geschlechtern Wapen und Stammbäumen : neuwlich aus unzalbarlicher menge Scribenten, Briefen, Büchern, Schrifften und Verzeichnussen, mit Fleiß und mühseliger Arbeit, weit her zusamen getragen / durch Christianus Wurstisen
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Gedächtnuß würdiger Sachen,

welche sich in Oberen Teutschen Landen, sonderlich in der Stadt undBistum Basel, in Kirchen- und Welthändlen zugetragen.

Das Dritte Buch.

Historien dieses Buchs gehen bis anf den grossen Erdbidcm dieser Landen re.

Das Erste Capitel.

Was für Klöster unter Bischofs Heimchen zu Basel entstanden. König Rudolf wird oom Pabstan das Kayserthmn bestätiget, dasselbige trittet er an mit Bezwingung der Widersinnigen.Von seiner Gemahl und Sohns Hartinanni Abgang.

Ach Hinlcgung der verderblichen Trennung des Adels, erlangte die Bischofflich,JnfelH, Bruder Henrich, eines Brodtbecken Sohn von Jsnc?) aus dein AlgöweBarfüsser-Ordens. Dieser war erstlich König Rudolfs Beichtvatter, auch zuLncern, Basel, und letstlich zn Maintz der Mindern Brüdens) Lesmeistergewesen, ein Doctor der H. Schrift. Seiner Wahl beschicht ungleiche Meldung.tlrsxcrrKsnois ri-^onäix sagt: Die Thumherren haben sich der BischofflichenWahl nicht vergleichen können, derhalben sich vereiniget, einen Notarinm sammtetlichen Zeugen zun Barftissern abzufertigen, und den nächsten Bruder so ihnenbegegnete, zn solchen Ehren Herfür zn ziehen. Also sey dieser Henricus vonersten auf sie geflossen, und Bischofs worden. Andere sprechen, Herr Peter-Reich habe diesen zu Pabst Grcgorio um das Bistum zn werben abgefertiget,der aber ihm solches geworben, und aus König Rudolfs Beförderung dasBistum por saltrun erlanget.

Gewiß ists, daß Herr Peter Reichst) die Wahl erlangt habe, dann er selbst gen Lyon kommen, dersclbigenBestätigung von Papst Gregorio auszubringen. Es bekam aber dicsclbigc einen Krebsgang, weil zn Verhinderungdersclbigen beym Papst fürgewcndet ward, daß er Herr Peter bisher, wider die geschriebenen geistlichen Rechte,viel Dignitäten und Kirchenpfrnnden, denen die Seelsorg aNgchcnckt wäre, ohne Päpstlicbe Dispensation undErlaubnuß, zugleich besessen, dersclbigen Einkommen und Nutzungen genommen, als da nämlich wären, nebender Thumherrey auch die Ertzpriesterey im hohen Stift Basel, item die Ertzpricsterey im Suntgow, eineChorherrey zu S. Ursitz, die Präbenden von den Kirchen zu Dietchon, Baßler und zn Vckilch, CostantzerBistums. Solches wäre im Rechten hoch verbotten, deßhalben er durch solche Ungebühr den Bann und keinBistum verdienet hätte.

Solches konnte Herr Peter nicht sonders widerfcchten: deßhalben er zn Entladung seines Gewissens,den 27 Tag Mcrtzens des 1275 Jahrs, alle seine Prälatnren und Pfründen, allein das Canonicat im Thnmzu Basel vorbehalten, dem Pabst an seine Hand aufgäbe: welcher hierauf dem bcywcscnden Bruder Hcnrichcnvon Jsna selbst mündlich befähle, in seinem Namen, mit .Herrn Petro, wegen solches Übergriffs, nach Ziemlich-keit zu handeln und fürzunehmen. Derselbige scheuchte ihm durch eine Dispensation alle aufgehellten und ein-genommenen Früchte von gesagten Pfründen, die sich (wie ihm der von Eppcnstein in folgender Handlung aus-rupfen lassen) von zwantzig Jahren her, über die 8000 Marck Silbers °) angeloffen, und erkannte, daß ihmesolches überall keine Verletzung an seinen Würden, noch aufs künftige einige Hinderung bringen solle. Dochznr Straf solle er, wann ein Heerzug in das Heilige Land angienge, hundert Marck Silbers demsclbigen zuSteuer bezahlen. Welchen Spruch ihm der Pabst gefallen liesse, am Dato den 8 Tag Aprillcns erstgedachtenJahrs. Er gab auch Herrn Petro an der resignierten Bencficicn statt, die Thumprobstey zu Maintz, welcheSigfrid der neu gesetzte Churfürst zn Cöln letstlich inngehabt, investierte ihn selbst hiezu, mit seinem Fingerring,mit Befehl bey dieser Prälatnr zn residieren. Aber Bruder Hcnrichcn ward das Bistum Basel. Denselbigcnweyhete er eingehendes Octobers selbst znm Bischofs, zu Losanncn, da dann König Rudolf, sammt seiner Gemahl

1) lnt'ula ursprünglich ein breiter wollener Kopfschmuck der Priester und Opferthiere; dann Mütze eines Bischofsoder Abtes. 2) Jsuy, im württcmbergischcn Donaukrcis, an der bayrischen Grenze, westlich von Kcmptcn. 3) Minoriteu.4) Domherr zu Basel und Probst zu Mainz. S) Eine Mark Silber hatte jenesmal einen Werth von öl,70 Franken.