Gedächtnuß würdiger Sachen,
welche sich in Oberen Teutschen Landen, sonderlich in der Stadt, undBistume Basel, in allerley Händeln zugetragen und verlosten.
Das Achte Buch.
Dieser leiste Theil hält in sich, Verzeichnuß allerhand gedenckwürdiger Sachen, von erlangter Kirchen-Reformation,
die fünfzig folgenden Jahr.
Das Erste Capitel
is 29 Der aufgehenden Religion dritter Anstoß, von der Wiedertäufern Sect. Handlung mit
neun Wiedertäufern zu Basel.
WiedertäuferSect giebt demEvangelioAnstoß.
En erwünschten Tag der Evangelischen Wahrheit betrübete nicht wenig derWiedertäufern Sect nnd Irrung, welche dieser Zeit, auch vor und nach derselbigen,in beyden den Obern und Niedern Teutschen Landen, mit Haufen aufgienge.Dieses war über die hievor erregten Bäurischen Empörungen, item der Refor-mierten Lehrern Zweyung ob dem .Handel des HErrn Nachtmahls, der dritteStoß, dadurch die Lehre Christi sehr verhindert, und übel hören müssen.
Dieses Täuferisch Geschwarm, so mchrentheils aus dem gemeinen Btannund schlechten Banersvolck auferstanden, war ungleich gesinnet, und in vielerlei)Meynungen zertheilet: ein jeder hatte schier seine besondere Fantascy, damit siein viel Stucken der Christlichen Religion übel anliefen. Doch kamen sie darinnübcrcin, daß sie alle das Pabstum verwarfen, sich auf Träume, Offenbarungen,
Verzückung und gedichte Eingebungen des Geistes, referierten, dcßglcichcn die heilige Schrift zu Befestigung ihrerLehre hart nach dem Buchstaben deuteten: darneben in ihrem äusserlichen Wandel gefärbten Schein der Frömm-lest nnd Heiligkeit führest», die Laster sehr beschälten, viel voll des alten Menschen Wiedergeburt redten, inschlechter ungefalteter Kleidung, mit Sanerschcn, und unbcwehrt herein traten. Mit welchem ihrem stillen Wandelsie viel einfältiger Menschen an sich zogen: so doch der größer Hanf anfrührische, verächtliche, neidische undwiderspännige Leute waren, welche sich aus störrigem Widersatz mit Gottes Wort nicht wollen berichten lassen.
Ihre unbegründeten Lehren berührten eines Theils geistliche, anderes Theils äußerliche und weltlicheHändel. Über geistliche hielten sie, Der Kindcrtauf käme vom Teufel und aus des Pabsts Werckstatt, darum sie
sich wiederum taufen liessen. Die Erbsünde wäre in jungen Kindern nicht, oder doch unverdammlich. Die KircheChristi (darfür sie ihre Gemeinschaft allein ausgaben) wäre ohne Sünde, pur und rein. Unsere Kirchen steckest»in Sünden, nnd mißfielen Gott, darum sie sich auch von den übrigen Christen absöndcrten, in Wäldern undGebirgen ihre Versammlungen nnd Feldprcdigtcn hielten. Das politische Wesen und äußerliche Haushaltungunter den Menschen berührest» diese Stuck: Kein Christ mag eine Obcckeit seyn, und das Schwerdt führen:deßhalbcn ausserhalb den Dienern des Evangeliums keine Obern zu dulden. Welche Pfründen nehmen, scindnicht rechte Lehrer. Man soll nicht Eyd schwören, keine Herrschaften noch sonst eigene Güter besitzen, sondernalle Ding gemein haben.
Dieweil nun solche Lehren, nicht nur zu Abführung des Gewissens, sondern auch zu Betrübung desbürgerlichen Wesens, reichest», der Oberkeit zu Verachtung, zu Aufruhren und Ungehorsame, als man dann kurtzvor dieser Zeit in der Müntzerischen'), und bald hernach in den Münsterischcn Unruhen^) augenscheinlich erfahren.
1) Thomas Münzer, das Haupt der Wiedertäufer in Deutschland; dieser hatte sich nach seiner Vertreibung ausSachsen nach der Schweiz gewendet und war unter anderem auch in Basel gewesen, allwo er als unbekannter Flüchtling berOekolampad erschien, der ihn zu Tische lud, worauf sich Münzer zu erkennen gab. Er fiel bei Frankenhausen (15. Mai 1525)im Kampfe gegen den Landgrafen Philipp von Hessen. 2) Die Wiedertäufer in Münster 1533—1535.