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Baßler-Chronick : Darinn alles, Was sich in obern Teutsche Landen, nicht nur in der Statt und Bistumbe Basel, von ihrem Ursprung her, nach Ordnung der Zeiten, in Kirchen- und Welt händlen, bis in das gegenwirtige MDLXXX Jar, gedenckwirdiges zugetragen; Sonder auch der Eydtgnoschaft, Burgund, Elsaß und Breißgow, als beyligender Landtschafften, mit eingemischte historische Sachen, warhafftig beschrieben : sampt vieler Herschafften und Geschlechtern Wapen und Stammbäumen : neuwlich aus unzalbarlicher menge Scribenten, Briefen, Büchern, Schrifften und Verzeichnussen, mit Fleiß und mühseliger Arbeit, weit her zusamen getragen / durch Christianus Wurstisen
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Viertes Buch.

Enthält die Geschichten vom Jahre is6fO. bis is620.

Kriegsläuftc.

Tod KönigHeinrichs desVierten.

Schweden willwerben.

Burgunder

Dnrchpaß.

Fürstl. Badi-scher Antrag.

Das I. Capitel.

Begreift die Geschichten vom Jahre 1610.

ganze Europa beschäftigte sich dieses Jahr mit grossen Zulüftungen und aller Orten vermuhtete man^^kriegerische Ausbrüchc.

Der König in Frankreich hatte seine Absichten gegen Italien und das österreichische Haust; durch diekeisersiche Acht waren die Reichsstädte Aachen und Donawert sehr gcdehcmüthigct; die protestantische Fürstenund Herren, sorgten um ihre Gewissensfrcyhcit, und darzu käme auuoch die streitige Erbschaft der HcrzogthümmcrJülich und Eleve: solches beunruhigte billichermasscn auch die Schweitz, in welcher wegen verschiedenen kleinenAnstünden einiger Unwillen unter ctwclchen Cantoncn waltete.

Da man nun aller Orten auf seine eigene Sicherheit bedacht war, so ward allhicr anfänglichen den24. Mertzen erkant, daß ein jeder Bürger seine Tag und Nachthuth sclbsten versehen solle; auch ward dieTaghuth unter den Stadtthoren, welche nur in 2 Persohncn bestand, um 2 Mann verstärkt, das Stadtpanierund das Fähnlein ergänzt und in Bereitschaft gehalten: und als im Maymonat der ohnvermuthcte Mord anHeinrich dem vierten König in Frankreich bekandt worden, gcricthe man noch in grössere Furcht, vermutheteunvorgesehene böse Folgen und Basel bewachte sich so gut als es in seinen Kräften war:

Die königlich französische Truppen waren schon vor Sr. Majestät Tod, auf dem Marsch hin und wiederzertheilt, und die deutschen Fürsten in Begriffe mit der französischen Macht sich zu vercinbahren, es geschahe auchzum Theile, verschiedene aber durch den kläglichen Tod des Königs gcängstigct, hielten ihre Kricgsvölker zurück.

Indessen hatten dennoch die Franzosen zu Gunsten der Häuser Brandenburg und Nenburg, die VestuugJülich weggenommen, bey welcher Belagerung und Zug die Schweizer durch Krankheiten sehr viele Leute ciu-gcbüssct haben.

Und die mit Frankreich verbündeten protestierende deutsche Fürsten, hatten sich in etwas erholet undmehreren Muth gefaßt.

Der Erzherzog Leopold war zu einem Bischof zu Straßburg crwchlt, und der Pfalzgraf Friedrich,Churfürst von der Pfalz samt seinen Allierten fielen dieses Bistumb feindlich an und bedrohten die vorderösterreichische Lande: die allierten Fürsten, baten von Basel um die Zufuhr der Victualien und die V. O.Regierung von allen Cantonen Hüls und ein getreues Aufsehen.

In dem Maymonath verlangte Llasio Lslii/mri Oberster Seiner Majestät des Königs in SchwedenCarl des Neunten 1000 Mann anwerben zu können, mau gab ihme einen höflichen Bescheid und bcruffte sichauf das Betragen, so übrige evangelische Orte dißorts bevbachtcu wurden.

Wegen besserer Bewaffnung der allhiesigen Undcrthanen, ward die Berathschlaguug vorgenommen, sogut möglich in der Sache geholfen, und denselben anbefohlen Tag und Nachts slcissig ihre Wachen zu versehenund insonderheit auf die durchgehenden frembdc Kriegsvölker die genauste Achtung zu haben.

Den dritten Heumonat erschiene Herr Berergay vor Rath und begehrte den Durchpaß für eine zimlichcAnzahl burgundische Reuter, welches bewilliget worden, doch daß alles richtig bezahlt, und der Ritt nur Nottcu-weiß beschehe.

Allein der französische Herr Ambassador, da dieses Volk zum Schutze des Herzogthum Maylaud dienensollte, beschwärte sich deßwegen; und war nachwerts da Herr Hauptmann Gauchier ebenfalls für Spanuicnangeworbene Reuter und Gewehr durchführen wollte, solches sehr eingeschränkt, und endlich alles burgundischeKricgsgerüthc angehalten.

Den eilftcn Hcnmonat fände sich in Basel ein, Herr Werner Egliuger des Herrn Margraf Friedrichszu Baden und Hochbcrg, Rcgimentsrath und Oberamtmaun zu Badcnwciler, und Übergabe seine Beglaubigungs-schreiben, woriuucu Se. F. Durchlaucht alle Dienste und thätliche Hülfe ancrbothe so fern die Stadt Baselfeindlichen sollte angegriffen werden, und anbey frcundnachbahrlich begehrte, daß wenn seine obere Lande feindlichangefochten wurden, die Stadt Basel Ihme auch bcyspringcn möchte; worgcgcn dem fürstlichen abgeordnetendurch die Herrn Beat Hagcnbach, Herr Lux Jselin dem Jüngeren, der Räthen, und Herr StadtschreibcrI. Friedrich Rihiuer, für die anerbothene Hülfe gedauckt und solche hingegen auch Wider zugesagt und beygefügtworden daß eine Stadt Basel die mit seiner F. D. Herrn Vater scl. christmilder Gcdächtuuß wohlhcrgcbrachteKorrespondenz und Vertraulichkeit fortzusetzen nicht crmauglcn werde.

Anbey ist der Herr Abgeordnete ersucht worden, so viel möglich zu besorgen, daß die Waaren derKauflcuthe so durch das Badische gehen, von den Frcybcnthcru gesichert seyn mögen, darauf dieser Herr verreißt