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Baßler-Chronick : Darinn alles, Was sich in obern Teutsche Landen, nicht nur in der Statt und Bistumbe Basel, von ihrem Ursprung her, nach Ordnung der Zeiten, in Kirchen- und Welt händlen, bis in das gegenwirtige MDLXXX Jar, gedenckwirdiges zugetragen; Sonder auch der Eydtgnoschaft, Burgund, Elsaß und Breißgow, als beyligender Landtschafften, mit eingemischte historische Sachen, warhafftig beschrieben : sampt vieler Herschafften und Geschlechtern Wapen und Stammbäumen : neuwlich aus unzalbarlicher menge Scribenten, Briefen, Büchern, Schrifften und Verzeichnussen, mit Fleiß und mühseliger Arbeit, weit her zusamen getragen / durch Christianus Wurstisen
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Dichter Bistums Historien,

Schwäre

Theurung.

1571.

Apfelbrod.

Der Sonnentraurig An-gesicht.

Hclgucnotcn inFrnnckreichüberfallen underwürget.

1572.

In dieser Gcgnc wütete der Rhein also sehr, dermassen seit dem 1480. Jahr nie beschehen: welchesman dann in allen Städten seines Stroms, bey etlichen Anzeigungen wohl vermercken können: als zn Basel, daßer innerhalb der Stadt von drehen Nheinthorcn unter der Brück zusammen geflossen. Beschuhe auf obdermeldtcZeit, als noch der Speirischc Reichstag währetc, ab welchen! Kayser Maximilian knrtz darvor seine zwo Töchternhciniführen lassen, nämlich Maria», König Philipscn zn Hispanicn, und Elisabct König Carola in Franckreich znGemahlen ')-

Das XXXI. Capitel.

Thcuruug und Huugersuoht. In Franckreich gehet grosse Würgcrey vor. Ein Wnnder-Stern konnnt am Himnlel hervor. Bettler-Ordnung.

Ende dieses Jahrs gicnge die fünfjährige Theurung an, deren gantz Teutschland eben streng befunden./^^Und wicwol diese der Zeit halben etwas milter gewesen, dann die zehcnjährige, welche unter der Regierung.Kayser Caroli, vom Banrcn-Kricg an, bis in das fünf und drcyßigste Jahr gewähret: ist doch dieseTheurung, wegen hohes Werths aller Dingen, so menschliche Nohtdnrft erheischet, sonderlich des Weins undGetrcids, viel herber und strenger gewesen. Zn Basel kam ein Sack voll bloß Dinckels nicht unter drey Gulden,sondern stieg bis über sieben Gulden: gleicher Gestalt ein Saum Wein, sechs und neunzig Maß inhaltcnde, vondritthalben bis auf nenn Gulden, grosser Mangel war bey armen Leuten. Weil auch in Bayern strengeTheurung und Hungcrsnoht angegangen: ließ Ertzhcrtzog Ferdinand zn Oesterreich aus seinen Kästen im Snntgowund Obern Elsaß etliche tausend Säck mit Gctrcid gen Jnsbrnck führen, erwarb bey der Stadt Basel, daß sieihm solches aus guter Nachbarschaft willen Zollfrei) durchgehen liessen. Etliche arme schlechte Leute kauften reineKleycn, rädetcn^) diesclbigen und bacheten Brod daraus. An etlichen Orten Deutschlands hatte das Pöbel vonhalb Mehl und halb Achseln Brod gemacht, folgender Gestalt:

Erstlich haben sie das Mehl gegen dem Abend mit dem Sauerteig anmachen und über Nacht habenoder gieren lassen. Morgens so viel geschällte Aepfcl, als des Mehls, genommen, diesclbigen geschnitzelt, dieBntzen und Grübeste daraus geschnitten, darnach in einem Kessel gesotten, daß man sie in den Teig kncttcnkönnen, doch nicht gar zcrmnsen lassen. Wann dann diesclbigen also weich gesotten, haben sie die in einen Korboder Sack aufgchenckt, und die Brühe darvon triefen lassen, darnach in den zuvor gemachten Teig gearbeitet, dochetwas mehr Saltz darzn gebraucht, letstlich ansgewürckt und eingeschossen: ist also gar nahe noch soviel Broddaraus worden, als wann es lauter Mehl gewesen. Und wiewol im 1471. Jahr an viel Orten eine ziemlicheErndte war, wolte doch die.Frucht nicht unter sechs Gulden: da aber ein geringer Herbst darauf folgete, stiegein Fuder Weins auf 45. Gulden. Die Stadt Basel ließ zn Erhaltung ihrer Armen, denen sie alle Wocheneinen grossen Haufen Mehls beym Sestcr austheilte, viel Lüste Weitzen zn Straßburg kaufen, und ausgehendesOktobers in Schiffen den Rhein auf führen.

Am 19. Hornnngs, in gedachtem Jahr, befand man früh zwischen acht und neun Uhr einer plötzlichvorübergehenden Erdschüttung.

An St. Michaels Tag schiene die Sonn (wie man solches allenthalben gesehen) gantz rothfarb, miteinem traurigen und dnnckeln Glantz^), das; es männiglich für eine Bedeutung grosses Blutvergießens geachtet,welchem auch die Zeit mitgestimmet. Dann man erfahre bald darauf, wie der Moscovitische Tyrann") selbigesTags in Licfland so jämmerlich gchauset. Bald darauf, am siebenden Octobris erfolgte die grosse Niederlagder Türckischen Armada bey der Insel Zazintho ^), welche dermassen gewesen, dergleichen weder bey unsern nochunserer Eltern Zeiten diesem Erbfeinde von den Christen nie begegnet.

Wie nun dieses Jahr des fürtrefflichen Siegs halben namhaft gewesen, also das folgende, der gräulichenWürgcreycn halben in Franckreich, sehr kläglich. Der König hatte sich in allem seinem Thun und Lassen, seitdem jüngsten Frieden, gegen den Religionsverwandten aller Gnaden angenommen, bis er sie in grosser Anzahlauf des jungen Königs von Navarra °) Hochzeit, mit seiner König Carvls Schwester, gen Paris gebracht. Alldaward der Admirals mit viel Hcrrschafts und Adels: Summa alle, so zuvor der Religion angehangen, am24. Tag Augstmonats, früh überfallen und erstochen. Darneben war Ordnung gegeben, solches auch in andernStädten zu verbringen, hicmit der erwürgten Christen Anzahl in wenig Tagen viel tausend geschätzt wurden.Den jungen Printzen von Londe^) behielt man am Hof. Darauf der vierte bürgerliche Krieg angieng, welcherden König (so die Huguenoten schon gcdcmmet zn haben vermeynct) über sein Verhoffen, sehr bemndct.

Bald darauf um den achten Tag Novembers, erschien am mitternächtigen Ort des Himmels, zu nächsthindcr der Cassiopeia, neben ihrem gebildeten Stuhl, an dem Umkreis der Meisten St. Jacobs Straß, ein neuer,Heller und lieblicher Wundcrstern, allerdingcn den andern angehcften Sternen gleich, an der Grösse des PlanetenJupiters, welchen man zuvor bey keinen Zeiten nie am Firmament gesehen. Seine Stelle war im siebendenGrad des Stiers, aber gar nahe 54. Grad weit von der Sonnen Straß gegen dem Wcltwürbel: also daß ermit dem andern, vierten und zwölften Stern gemcldter Bilduuß in Form eines Krentzes stuhnde. Es war dieses

1) Philipp II. und Karl IX. 2) rädcn reitern, sieben. 3) Wobl in Folge des sog. Höhenrauches. 4) DerCzar Iwan Wasiljcwitsch IV. der Schreckliche. 5) Der berühmte Sccsicg des Don Johann von Oesterreich bei Lepanto überdie türkische Flotte, 7. Oktober 1571. 6) Der spätere französische König Heinrich IV.; er heiratete des Königs Schwester

Margarethe von Valois. 7) volignz'. 8) Der junge Oonllö und Heinrich von Navarra wurden gezwungen, den protestantischenGlauben abzuschwören und retteten so ihr Leben.