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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
Entstehung
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I

DIE SAGEN VON DER SINTFLUTH

Man erinnert sich der staunenden bewegung, in welchedie gebildete weit weit über die kreise der fachgenossenhinaus versetzt wurde, als George Smith am 3 december1872 die erste nachricht und probe eines keilschriftlichensintfluthberichtes gegeben hatte 1 . Gerade damals war diegrosse frage über das verhältniss der semitischen und ari-schen sagen kurz hinter einander von theölogen und Orien-talisten 2 erörtert worden; am 9 februar desselben jahreshatte ein meister orientalischer philologie, Theodor Nöldeke ,eine scharfsinnige besprechung des problems vor das grossepublicum gebracht. So waren die geister vorbereitet zuwürdigem empfang der grossen entdeckung Smiths. Diegeschichte der semitischen fluthsagen war durch dieselbezu unerhoffter klarheit gebracht; dass die berichte derGenesis jüngere monotheistische Umbildungen der heidni-schen fluthsage Babyloniens seien, war augenfällig. Ohneunerschütterliche festigkeit des glaubens an Offenbarungwar es nicht möglich den keilschrifttafeln gegenüber ander 'ursprünglichkeit der biblischen erzählung festzuhalten,

1 The Chaldean account of the deluge, in den Transactions ofthe society of biblical archaeology (1873) 2, 213234.

2 DZöckler, Jahrbücher f. deutsche theologie 1870 b. 2, 337 ff.LDiestel, Die Sintflut und die flutsagen des altertums (Sammlung vonVirchow und Holtzendorff heft 137) Berlin 1871 (1876). Nöldeke , Dermytlms von der siindfluth in der Wochenschrift 'Im neuen reich 1872n. 7 s. 247259.