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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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30
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I Die sintfluthsageil

war er doch leicht zu tragen für Manu auf seinem gange; ange-

26 nehm war er ihm für berührung und geruch. Als da der fischvom Manu im meere ausgesetzt war, schien er zu lächeln und

27 sprach:Du, erhabener, hast mir jeden schütz gewährt; von mir

28 lerne nun, was dir jetzt zu thun frommt. In bälde wird, o er-habener, alles auf erden, was da steht und was sich bewegt,

29 zu gründe gehen, o edler. Jetzt ist die zeit der weltüberschwem-mnng angebrochen; drum lehr ich dich, was dir zum höchsten heil

30 gereicht. Für lebendes und lebloses, für das was sich regt undreglos ist, für alles dies bricht nun herein die schwere, schwere

31 schreclsenszeit. Erbaue dir ein festes schiff, mit tauen wohl be-spannt. Das besteige, grosser weiser, zusammen mit den Sieben

32 sehern (rshi)', und bringe an bord samen jeglicher art, wie esvor Zeiten die Brahmanen lehrten, und berge ihn gut, jeden be-

33 sonders. An bord, o liebling der weisen, erwarte mich; ichwerde kommen; an meinem horne wirst du, büsser, mich er-

34 kennen. Dies musst du thun, leb wohl; ich gehe fort. Ohne33 mich kannst du nicht über das weite wasser kommen; zweifie

nicht an meinem wort, o herr. "Ich führ es aus antwortete30 er dem fisch. Und abschied von einander nehmend gieng jeder

37 seine wege. Wie der fisch es ihm geboten hatte, fuhr Manuauf schönem schiffe mit samen aller art auf dem hochwogenden

38 Ocean. Und Manu gedachte da jenes fisches, und seinen ge-3» danken errathend kam flugs der gehörnte fisch herbei. Als

Manu in dem Ocean den gehörnten fisch erblickte, in der voraus-

40 gesagten gestalt, wie einen ragenden berg, da befestigte er einaus tauen gewundenes seil an des fisches köpf, an seinem horn.

41 Festgebunden mit .diesem seil zog der fisch das schiff aufs

42 schnellste durch die salzfluth und steuerte jene auf ihrem schiff

43 über den Ocean mit seinem wogentanz und wassergebrüll. Undauf dem meere von Orkanen geschüttelt wirbelte das schiff wie

44 eine trunkene dirne. Kein land zeigte sich und alle himmels-gegenden waren unkennbar; alles war ein wasser und luft und

45 Iiimmel. So war die weit in wirrsal, und drin waren nur die40 Sieben seher, Manu und der fisch zu sehen. Viele, viele jahre

schleppte so der fisch unermüdet das schiff in dem sehwall der

47 gewässer. Wo der höchste gipfel des Himälaya ragt, dahin

48 schleppte der fisch das schiff und er sprach zu den sehern mitsanftem lächeln: 'Auf diesem gipfel des Himälaya verankert

49 schnell das schiff. Alsbald legten die seher das schiff dort voranker, gemäss den Worten des fisches, an den gipfel des Himälaya.

50 Und jener hohe gipfel des Himälaya heisst noch heute derSchiffsankerplatz ( naubandhanam ) dies sei dir kund, o Bha-

51 raterstier! Da sprach der fisch zu den sehern in ihrer runde: