Buch 
Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
Entstehung
Seite
31
JPEG-Download
 

der Inder lind Griechen

31

'Ich bin Brahman, der Prajäpati; keinen liöhern gibts als mich;

52 in fischgestalt habe ich euch aus dieser gefahr befreit. UndManu soll alle wesen schaffen mitsammt göttern, Asuren und

53 menschen, und allen weiten und was sich regt und was reglosist. Und durch schwere bnsse wird ihm eine eingebung zutheil

54 werden; durch meine gnade wird er nicht in irrthum verfallenbei der erschaffung der wesen. Nach diesen Worten verschwand

55 sofort der fisch. Manu aber selbst in seinem verlangen die wesenzu schaffen, gerieth in Verwirrung über die erschaffung der wesen-;

50 drum tliat er grosse busse. Mit grossem busselohn ausgerüstet,begann da Manu zu schaffen alle wesen, in eigener person, wie

57 alles sich gehört. So ist 1 von mir das berühmte Puräna namens

58 Mätsyaka, diese alle Sünden tilgende legende, erzählt worden. Dermann, der stets diese gesehichte Manus von anfang an hört, derwird glücklich, reich an allen dingen und erlangt die ganze weit.

4 Das sagenfrohe volk der Griechen hat sich mitder sintflnth verhältnissmässig spät beschäftigt. In den Ho-merischen gedichten findet sich nicht die spur einer hin-weisung oder anspielung auf das grosse ereigniss 2 , nachwelchem erst die gesehichte des Volks beginnen konnte.Selbst in Hesiodeischen werken, deren dichter in so naherVerbindung mit der landschaft des Parnass gestanden,scheint der fluth mit keiner silbe gedacht worden zu sein.

1 Die beiden letzten (flohen enthalten die am Schluss der ein-zelnen abschnitte oder abenteuer des epos übliche Segensversicherungfür die hörer, das sog. gravaiiaphala di. 'lohn für das anhören.Schon in den Brahmanas und Upanisliads sind ähnliche verheissungenüblich. Es ist bemerkenswerth, dass auch in den christlichen legen-den dem absehreiber, besitzer oder leser der lebens- und leidensge-schichte eines märtyrs Vergebung der Sünden und Wohlstand zuge-sichert wird; richtige märtyrer wie Marina (Acta s. Marinae et s. Chri-stophori in der Festschrift der univ. Bonn für Heidelberg 1886 p. 43,1737 vgl. 44, 1123) und Ohristophoros (ebend. 74, 16) beten aus-drücklich darum.

2 Freilich hat man eine andeutung in dem bilde der Ilias17 384ff. finden wollen, wo von den verderblichen Überschwemmungengesprochen wird, die Zeus durch herbstliche regengüsse über gottlose,das recht beugende menschen verhänge. Aber der nicht seltene natur-vorgang wird dadurch, dass er nach antiker Vorstellung auf gotteszorn zurüekgeführt wird, noch nicht mythologisch.