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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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I Die sintflnthsage

Man hat daraus, dass die Prometheuslieder und namentlichdie dichtung von den weltaltern, welche auf die sage hin-führen musste, davon schweigen, einen Schluss auf spätereshervortreten der fluthsage machen wollen 1 .

Da die abfolge der metalle durch das heroengeschlecht(Werke 156 ff.) unterbrochen wird, das eine ankniipfung anDeukalion leicht gestattete, so hinderte nichts den Unter-gang des gewaltthätigen ehernen Zeitalters ( 143 155 ) durcheine von Zeus verhängte sintfluth herbeizuführen. Der dichterdieser weltalter, das müssen wir bereitwillig zugeben, hatdie Deukalionische fluth nicht gekannt oder nicht an siegedacht. Aber weitere ausdehnung dürfen wir dem Schlussnicht geben; bewiesen ist die unkenntniss der sage nurfür den dichter einer einlage von 93 versen. Die entschei-dung darüber, ob die Hesiodeischen dichter die fluth be-rücksichtigten, liegt in dem Prauenkatalog, der die reihender griechischen heroen- und adelsgeschlechter von demurpaar Deukalion und Pyrra ableitete. Diese dichtung istzwar verloren, aber von den mythographischen gelehrtendes alterthums fleissig gelesen und ausgebeutet worden.Obwohl uns nun nirgend berichtet wird, ob und wie in der-selben die Deukalionische fluth erzählt war, darf doch ausden erhaltenen versen über Lokros (fr. 141 Hz.) unter derVoraussetzung, dass der dichter eine folgerichtig zusammen-hängende erzählung geliefert hatte, mit einer gewissenSicherheit ein Schluss gezogen werden. Wenn hier dieLeleger abgeleitet werden von den vielen 'aufgelesenen stei-nen, zu denen Zeus dem Deukalion verholten (Xcktoui; exYairjq ä\eac, rtöpe AeuxaXiuJVi), so wird damit die sage vor-ausgesetzt, dass Deukalion und Pyrra durch rückwärts ge-worfene steine ein neues menschengeschiecht schufen. Daaber Deukalion nach derselben dichtung (fr. 21 f.) sohn desPrometheus war, den auch sonst die Hesiodeischen gedichteals wohlthäter des menschengeschlechts feiern, so folgt

1 Nöldeke, Im neuen reich 1872 b. I 25G.