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I Die sintfluthsage
oder gar den Aetna 1 als den ort bezeichnen, wo Deukaliongelandet sei. Mehrfach wird auch der durchbrach desTempethalS) durch welches den gewässern des Peneios derabfluss aus dem Thessalischen becken zum meere gewährtwird, in Zusammenhang mit der Deukalionischen fluth ge-setzt 8 . Poseidon, heisst es dann wohl, spaltete mit seinemdreizack die felsenmassen und bewerkstelligte dadurch denabfluss der fluthen. Danach würde das becken Thessaliensder eigentliche Schauplatz der fluth gewesen sein; aber diealten Überlieferungen, welche Thessalien nennen, meinendie Phthiotische, durch den Othrys abgetrennte landschaft.Das Tempethal kann also erst durch erwägungen der altennaturphilosophie mit der Deukalionischen fluth in Verbindunggesetzt sein. »
Dieselbe Unsicherheit zeigen die angaben über dieUrsache 3 der fluth. Preilich hat Lactantius im ganzen dasrichtige getroffen, wenn er es als allgemeine ansicht erklärt,dass die Schlechtigkeit der menschen zu ihrer Vertilgungdurch wasser die götter veranlasst habe. Aber sobald wirnäher Zusehen, gehen die ansichten weit auseinander. Nachdem Apollodorischen handbuch waren es die frevel desehernen geschlechtes, welche die strafe heraufbeschworen;nach Ovidius und anderen hatten die aus dem blute derGiganten entsprossenen menschen den zorn des Zeus erregt;wieder andere sahen in dem frevel des Lykaon und seiner
1 Servius zu Vergils buc. 6, 41 ' lupiter . . . diluuio inundauitterras omnesque homines necauit exceptis Pyrra et Deucalione, quiin nionte Atho liberati sunt’. Hygin f. 158 ‘praeter Deucalionem etPyrram, qui in montem Aetnam . . . fugerunt’. Letztere angabe istin jüngeren hss. der scholia German, p. 154, 3 Br. in den aus Nigidius Figulus (vgl. Swoboda’s Sammlung fr. 99 p. 125) gezogenen berichtinterpoliert worden.
2 Apd. 1 7, 2, 3 Nonnos 6, 373 ff. Mehr bei Kriegk , Das thessa-lische Tempe (Lpz. 1835) p. 35 f.
3 Lactantius inst. II 10, 9 Apd. I 7, 2, 2 Luctatius in Stat. Tbeb.3,560. 'Propter feritatem Gigantum’ Servius zu Verg. buc. 6, 41 vgl.Völcker Myth. d. Japet. geschl. s. 318, 10. Den frevel des Lykaonnennen tiv 4? bei Apd. Ill 8, 2, 1 ‘alii’ bei Serv. buc. 6, 4L