Wohnsitz der seligen, goldenes Zeitalter
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menschengeschlechtes ist den Griechen Kronos , den RömernSaturnus * 1 gewesen. Auch den östlichen gliedern unseresStammes ist die Vorstellung nicht fremd; die Eranier lassenYima , einen alten himmelsgott, den könig jener glücklichenZeiten sein 2 3 . ‘Wie die götter’, heisst es in den HesiodeischenWerken (112 ff.), 'lebten sie dahin sorglosen sinnes, ohnemühen und leid; auch drückte sie nicht das elend des alters,sondern in immer gleicher kraft der füsse und arme freutensie sich bei Schmausereien, allem übel entrückt; der todaber kam ihnen wie ein schlaf. Alles gute besassen sie;früchte brachte die spelttragende erde von selbst, viel undreichlich’. Der fortschritt sittlicher einsicht hat das lachendebild durch manche züge erweitert, namentlich durch die nega-tiven bestimmungen, dass Schiffahrt, gebrauch des eisens,krieg und die künste des erwerbenden lebens den standder Unschuld noch nicht getrübt hätten 8 .
ERohde 4 5 hat den zweifei aufgeworfen, ob die Vor-stellung vom jenseits oder die vom paradiese die ursprüng-lichere sei. Es ist bezeichnend, dass Kronos , der herrscherdes goldenen Zeitalters, nicht nur nach dem angezweifeltenvers des Hesiod (s. s. 201 anm. 2), sondern auch nach Pindar in den Elysischen gefilden herrscht 6 * . Man wird die frage
gen gibt EHiibner in der ohne verfassernamen erschienenen gelegen-heitssehrift: Das goldene Zeitalter, Berlin 1879.
1 Vergilius Aen. 8, 324 ff. Dionysios ant. Kom. 1, 36 ua. vgl.Preller-Jordan Rom. myth. 2, 13. 16 f.
2 Nach Vendidäd 2, 1—20, übers, von Geldner in der Ztschr.f. vgl. spracht. 25, 181 ff. In einem einschub zu 2,5 (p. 182) heisst esvon dem reich des Yima: ‘Weder soll in meinem reiche kalter windnoch hitze, noch krankheit noch tod herrschen’.
3 Aratos 101 ff. Ovidius metam. 1, 89 ff. Aetna 9—16, wo dasgoldene Zeitalter als ein abgedroschener vorwurf dichterischer Schil-derung bezeichnet wird. Vgl. HEGraf, Ad aureae aetatis fabulamsymbola, diss. Lips. 1884.
4 Psyche I 2 106, 1.
5 Pind. 01. 2, 77. Auf dieser Vorstellung beruht auch die Orts-
angabe, welche Plutarch de facie in orbe lunae 26 p. 941 * de def.
orac. 18 p. 420* für die fesselung des Kronos macht.