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VII Ergebnisse
Seine hynmen sind für den gebrauch des gottesdienst.es ge-dichtet,; es konnte also in sie nur aufgenommen werden,was kirchliche Überlieferung war. Obwohl uns aus mehre-ren apokryphen evaugelien der tauf bericht erhalten ist, findetsich darin keine spur dieses zuges; aber ich habe keinenzweifei, dass so gut wie die feuererscheinung einst auchdas aufwogen des wassers in irgend einem später ausserours gesetzten evangeliuin bei der Jordantaufe erzählt, war.Ueberaus merkwürdig ist nun, dass die bildlichen darstel-lungen der taufe Jesu, die während des mittelalters in Deutsch land und den angrenzenden ländern wie Frankreich undOberitalien geschaffen wurden, fast ausnahmlos in einer ge-staltung des Jordan wassers übereinstimmen, die ohne jenesvon Ephrem verbürgte motiv unverständlich sein würde 1 .Das wasser wogt in der weise auf, dass die wellen sich zueinem hohen schwall aufbäumen, der die gestalt des lieilandsbald bis zur schäm, bald zur brust, bald zum köpfe verdeckt.Der älteste beleg ist wohl das aus Langobardischer zeit stam-mende (um 700 entstandene) relief 2 in der lunette des grös-seren portals von s. Giovanni in fonte zu Monza. Pipermeint unter Zustimmung Strzygowskis, es sei damit 'die na-türliche erscheinung des flusses angedeutet, freilich in sehrunnatürlicher ausführung’. Das wird durch den blossen augen-
1 Diese darstellungsweise trat mir zuerst an der herrlichen,durch Heinrich II veranlassten elt'enheinschnitzevei des Bambergerevangeliars in München (abgeb. bei Kohault de Fleury, L’evangiletaf. XXXV 1 Strzygowski in der unten anm. 2 angeführten Schrifttaf. X 2) entgegen. Herr Dr. Boll, der mich damals freundlichst führte,wies mich auf die litteratur hin. Man findet in dem werke Strzy-gowskis ausser den unten besonders angeführten bildern nicht wenigerals 52 weitere belege jener darstellungsweise.
2 JStrzygowski, Iconographie der taufe Christi (Münch. 1885.4°)taf. VIII 1, s. 35 'In einem spitzen Winkel steigen von derselben basis,auf der Johannes und die engel stehen, parallele wulste in welligerhewegung auf und zwar so hoch, dass die spitze gerade die schämChristi bedeckt’, vgl. Piper, Mythologie und Symbolik der christlichenkunst 2, 608.